Solitaire

Autorin: Alice Oseman
übersetzt von Anja Galic
ab 14 Jahren

Alice Oseman schrieb „Solitaire“, als sie 17 Jahre alt war. Ihre Hauptfigur ist genauso alt wie sie. Der Großteil ihrer Recherche bestand deshalb daraus, ihr eigenes Leben zu leben. Inzwischen studiert sie Englische Literatur an der Durham University und arbeitet an zwei weiteren Romanen: „Nick und Charlie“ basiert auf zwei Charakteren aus „Solitaire“. „Radio Silence“ wird voraussichtlich 2016 erscheinen.

Victoria Spring ist 16 Jahre alt und geht in die 11. Klasse. Aber das ist ihr eigentlich egal. Die Schule ist für sie nicht mehr als ein Ort, an dem sie sich tagsüber zwangsweise aufhalten muss und sich mit anderen Menschen auseinandersetzen. Viel lieber ist Tori zuhause in ihrem Zimmer, alleine, am besten in ihrem Bett. Dort bloggt sie, schaut Filme oder lässt sich einfach nur durch die Weiten des Internets treiben. Sie hat nicht viele Freunde und hat auch insgesamt den Glauben an das Gute in den Menschen verloren. Dafür hat sie mehr als genug Gründe und zieht sich deshalb immer weiter aus ihrem sozialen Leben zurück. Das gestaltet sich jedoch als relativ schwierig, als Lucas Ryan, ihr bester Freund aus Kindergartenzeiten, auf ihre Schule wechselt und plötzlich ihre alte Freundschaft wieder aufleben lassen will. Außerdem gibt es da noch Michael Holden aus der 13., den alle für verrückt halten, mit dem sich Tori aber manchmal ganz gut versteht. Mit ihm sind die Dinge leicht, und er stellt keine unangenehmen Fragen. Zwei neue Menschen in ihrem Leben könnte Tori vielleicht gerade noch ertragen. Doch als die Geheimorganisation „Solitaire“ damit beginnt, ihrer Schule kleine und immer größer werdende Streiche zu spielen, hat Tori genug. Frei nach dem Motto von Solitaire „Abwarten kann tödlich sein“, fühlt Tori sich gezwungen, endlich etwas zu unternehmen.

Meine Meinung
Endlich ein Buch, das nicht nur so tut als würde es Jugendliche verstehen. Endlich eine Autorin, die selbst gerne ihre Tage im Schlafanzug verbringt und es nicht verwerflich findet, alle sozialen Kontakte über einen Computer zu pflegen. Alice Oseman schafft es spielend, mich als junge Leserin zu fesseln. Ich liebe Toris trockenen Humor und ich liebe es, dass es Oseman so unglaublich perfekt gelingt, zu schreiben, was ihre Leserinnen denken. Auch ich schreibe diese Rezension in meinem Schlafanzug, im Bett mit meinem Laptop. Doch Oseman überzeugt mich mit „Solitaire“ nicht nur inhaltlich, sondern auch mit ihrem Schreibstil. Tori ist sarkastisch und zynisch, sie bringt einen zum Lachen, wenn man es am wenigsten erwartet: „Obwohl die Busfahrt nur zehn Minuten dauert, habe ich den iPod jedes Mal auf volle Lautstärke gestellt. Ich wusste, dass ich mit spätestens 20 taub sein würde, aber ich war mir sicher, dass ich keine zwanzig werden würde, wenn ich mir jeden einzelnen Tag den Mist der anderen Leute im Bus anhören müsste.“

Ein weiterer Punkt, der mir sehr gut gefallen hat, ist die Aktualität des Buches in Sachen Popkultur. Natürlich weiß Alice Oseman, was für Filme Jugendliche schauen und was für Bücher sie lesen. Diese Dinge bringt sie auch in ihren Roman ein, sodass ich wirklich das Gefühl habe, ich könnte eine der Protagonistinnen sein. Ich würde das gleiche lesen, würde das gleiche denken und nachts die gleichen Filme schauen. Tori erzählt von Twilight-Postern, ihrem Lieblingsfilm Juno und einem Mädchen, das ein Buch der Serie Hunger-Games liest. Daran erkennt man, dass dieses Buch tatsächlich in der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen spielt, und nicht in dem Teil, den erwachsene Autoren zu verstehen glauben.

Erschienen bei dtv

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Autorin / Autor: lacrima - Stand: 14. August 2015