Koffer packen für den Job?

Aus beruflichen Gründen ins Ausland umziehen: Wer es tut und wer nicht

Was tun, wenn sich in der heimischen Tageszeitung einfach kein Job finden lässt? Warten auf die nächste Chance oder umziehen? Für letztere Lösung scheinen sich immer noch nicht viele Menschen zu entscheiden: nur jede/r vierte Deutsche ist aus beruflichen Gründen umgezogen. Viele von ihnen allerdings mehrfach und ein kleiner Teil sogar ins Ausland. Für den größeren Teil, drei Viertel der Bevölkerung, war das Thema Umzug aus Arbeitsgründen bislang noch kein Thema. Dies zeigt eine repräsentative Infas-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Nach der Umfrage scheint die berufliche Mobilität in Deutschland sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein. 77 Prozent der Bevölkerung wollten oder mussten aus beruflichen Gründen bisher noch nie ihren Wohnort verlassen. West- und Ostdeutsche unterscheiden sich in diesem Punkt kaum. Einen großen Einfluss auf das Umzugsverhalten hat dagegen der Bildungsabschluss. Denn je höher die Qualifikation, umso häufiger waren die Befragten bereit, für ihren Arbeitsplatz umzuziehen. Unter den Befragten mit Abitur oder Hochschulreife haben bereits 40 Prozent schon einmal ihre Möbel gepackt. Die Hälfte von diesen sogar mehrfach, knapp jeder Dritte der beruflich Mobilen ist sogar schon dreimal oder noch häufiger wegen der Arbeit umgezogen. Und immerhin 5 Prozent der Deutschen, also 3,3 Millionen, zog es aus beruflichen Gründen schon einmal ins Ausland.

Umzug eher bei Aussicht auf unbefristete Arbeit
Als häufigste Umzugs-Gründe gaben die Befragten ein neues Arbeitsverhältnis, einen Ausbildungs- oder Studienplatz an. Dabei müssen die Arbeitgeber aber schon einiges bieten, um den/die ArbeitnehmerIn zur Aufgabe seines/ihres bisherigen Lebensumfelds zu bewegen. Für über 60 Prozent der Befragten war der Grund eine unbefristete Stelle. Dagegen waren weniger als 25 Prozent bereit, wegen einer befristeten Stelle umzuziehen. Für einen befristeten Vertrag unter einem Jahr haben nur knapp 10 Prozent ihre Umzugskisten gepackt. 30 Prozent der in Westdeutschland Befragten hatten einen anderen Arbeitsplatz im gleichen Unternehmen in Aussicht.

Verbunden mit der Heimat
Umziehen ins Ausland kommt für viele der Befragten aber immer noch nicht in Frage: Jeder Zweite hat es noch nie in Erwägung gezogen, für einen Arbeitsplatzwechsel ins Ausland zu gehen. Die meisten fühlen sich zu sehr verbunden mit der Heimat und sie wollen Familie und Kinder nicht belasten. Diejenigen, die ein neues Berusf-Leben im Ausland wagen, sind zumeist AkademikerInnen und Gutverdienende. Bei dieser Gruppe lag der Anteil sogar bei 14 Prozent.

Persönlichkeitsentwicklung - mit Risiko
Befragt nach den Motiven für einen Umzug ins Ausland nennen drei Viertel bessere Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung wie zum Beispiel das Erlernen einer neuen Sprache. 83 Prozent geben den Wunsch nach eigenen Auslandserfahrungen an, während 57 Prozent verbesserte Karrierechancen nannten. Steuerliche Gründe spielten dagegen kaum eine Rolle. Dennoch leugnen viele nicht, dass sie häufig auch Probleme im Ausland haben, zum Beispiel mangelnde Fremdsprachenkenntnisse und das Risiko, die in Deutschland erworbenen Ansprüche in der Sozialversicherung zu verlieren.

Das Umfrageinstitut Infas befragte im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im September und Oktober vergangenen Jahres 1.004 repräsentativ ausgewählte Personen über 18 Jahren.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 4. Januar 2013