Das Haus der verschwundenen Kinder

Autorin: Claire Legrand
übersetzt von Astrid Finke
ab 12 Jahren

Buchcover Das Haus der verschwundenen Kinder

Die zwölfjährige Victoria Wright ist stolz auf ihr übersichtliches, geordnetes und organisiertes Leben in der ebenso perfekten Kleinstadt Belleville. Umso stärker ist der Gegensatz zu ihrem besten Freund Lawrence, der durch seine verträumte und vergessliche Art so gar nicht zu dem Ort zu passen scheint. Doch als Lawrence eines Tages spurlos verschwindet, ist es mit Victorias geregeltem Alltag auf einen Schlag vorbei. Sie ist entschlossen ihn zu finden und stellt daher auf eigene Faust Nachforschungen an, denn niemand sonst scheint sich Gedanken über Lawrence zu machen. Dabei stößt sie schließlich auf das mysteriöse Waisenhaus von Mrs. Cavendish ...

Meine Meinung
Das Haus der verschwundenen Kinder ist eine wunderbare, teilweise ziemlich gruselige Geschichte, die sich vor allem an eine etwas jüngere Zielgruppe richtet, was man schon an der schönen äußeren Gestaltung, dem Alter der Hauptfiguren und den Illustrationen erkennen kann. Aber auch ältere Leser können durchaus ihre Freude an dem Buch haben, wenn sie das ein wenig im Hinterkopf behalten.

Die Protagonistin Victoria wirkt anfangs vielleicht ein wenig arrogant und kühl, weil sie einen gesteigerten Wert auf ihr Aussehen und ihre exzellenten Noten legt. Hinter dieser strengen Fassade verbirgt sich jedoch ein weicher Kern und Lawrence ist nicht nur ein Projekt für sie, sondern ihr bester Freund, was sie sehr sympathisch macht. Lawrence hingegen ist witzig, locker und damit das komplette Gegenteil von Victoria, lässt sich aber nicht von ihrer Art einschüchtern und weiß, dass sie ein gutes Herz hat.

Die anderen Figuren bleiben einem, mit Ausnahme von Mrs. Cavendish, dagegen nicht lange im Gedächtnis und tragen nur wenig zur Geschichte bei. Mrs. Cavendish ist dafür umso interessanter und nur sehr schwer zu durchschauen, sodass man bei ihr nie so genau weiß, woran man eigentlich ist oder was sie wohl als nächstes tut.

Zu Beginn des Buches schreitet die Handlung nur langsam voran und nimmt erst an Fahrt auf, nachdem man die Kleinstadt Belleville und den Alltag darin besser kennen gelernt hat. Dadurch zeigt sich aber schnell, dass es in der Stadt nicht mit rechten Dingen zugeht und vieles an ihr äußerst merkwürdig ist. Mit Lawrence‘ Verschwinden nimmt die Spannung dann allerdings zu, ebenso wie die düstere Atmosphäre und die Gänsehaut-Momente. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse dann sogar, wobei die eigentliche Lösung recht einfach gestrickt und der Schluss selbst (zu) offen gestaltet ist.

Fazit
Das Haus der verschwundenen Kinder ist ein faszinierendes und zugleich gruseliges Kinderbuch über Mut und Freundschaft, das trotz des relativ jungen Alters der Protagonisten auch ältere Leser zu unterhalten vermag.


Erschienen bei Heyne

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Autorin / Autor: stephie - Stand: 24. September 2014