Spiele-Entwicklerin - Beruf oder Leidenschaft? - Teil 3

Carolin Batke: "Es ist auch für die Entwicklung der Spiele wichtig, Frauen im Produktionsteam zu haben."

Welche Rolle spielt Geld in deinem Beruf?

In der deutschen Spieleindustrie verdient man gewöhnlich etwas weniger als zum Beispiel in der IT-Branche. Das liegt daran, dass die Produktionen so aufwendig und riskant sind. Ein einziges Spiel, das nicht erfolgreich ist, kann für eine Firma das Aus bedeuten. Das ist in den letzten Jahren öfter vorgekommen. Damit die Gesamtkosten für eine Produktion nicht ins Unermessliche steigen, sind die Gehälter eher durchschnittlich. Aber die Meisten verzichten lieber auf ein höheres Gehalt, als auf die Chance, in der Spieleindustrie zu arbeiten. Schließlich kann man hier auch sehr reich werden, wenn man sehr viel Talent, Glück und Ausdauer hat.

Wie viele weibliche Spieleentwicklerinnen gibt es?

Wenn ich manchmal zu Veranstaltungen von Spieleentwicklern gehe, bin ich tatsächlich oft die einzige Frau. Aber das ändert sich glücklicherweise gerade. Wir bekommen langsam mehr Bewerbungen von Frauen und Mädchen. Denn auch wenn die Spieleentwickler sehr gerne mehr weibliche Teammitglieder hätten, solange sie sich nicht bewerben, können sie auch nicht eingestellt werden.

Dabei gibt es überhaupt keinen Grund sich vor der Branche zu fürchten, im Gegenteil. Die Atmosphäre ist meist sehr fair und kameradschaftlich und Frauen werden mit offenen Armen empfangen. Nicht nur, weil es mehr Spaß macht, in einem gemischten Team zu arbeiten, es ist auch für die Entwicklung der Spiele wichtig, Frauen im Produktionsteam zu haben. Obwohl manche Arten von Spielen schon sehr auf männliche Spieler ausgerichtet sind, Military-Games z.B. haben praktisch nie weibliche Entwickler und auch selten weibliche Spieler, aber sie machen auch höchstens 5% der Spiele aus.

Bist du allein auf weiter Flur?

Bei uns im Team sind etwa 20% weiblich, davon ist eine Programmiererin, die anderen machen Grafik, Animation und Management. Für die deutsche Spielebranche ist das ein sehr hoher Anteil, in anderen Ländern ist der Anteil höher. Ich kann Mädchen und Frauen die in der Spielebranche arbeiten möchten, nur empfehlen, sich möglichst viel privat vorzubereiten, z.B. in Mod-Teams mitzuarbeiten, eigene Level zu kreieren, 3D-Modelle zu bauen oder kleine Spiele zu programmieren. Es gibt im Netz einige Seiten für Hobby-Entwickler, wo man sich Tipps holen kann, oder ein Team zusammenstellen. Das ist schon einmal eine gute Vorbereitung. Dann sollte man sich um soviele Praktika wie möglich bewerben, um professionelle Erfahrungen zu sammeln. Wenn man dann noch Talent und Glück hat, kann nicht mehr viel schiefgehen.

Wie sieht deine Zukunft aus? Möchtest du deinen Beruf weitermachen oder etwas anderes ausüben?
Das ist schnell beantwortet, ich will auf jeden Fall in der Branche bleiben :-). Aber ein Wunschtraum von mir ist es, unterschiedliche Berufe innerhalb der Spieleentwicklung auszuprobieren, um immer weiter dazuzulernen. Mal sehen, ob das klappt :-). Ich werde übrigens auf der Games Convention in Leipzig anwesend sein. Das ist eine Messe rund um Computerspiele und sehr zu empfehlen, für alle, die sich für das Thema interessieren. Da ich einen kleinen Vortrag über Jobmöglichkeiten in der Spieleindustrie halten werde, wäre das auch eine Gelegenheit, weitere Fragen zu dem Thema zu stellen.

Ihr nennt euch Spieleentwicklungskombinat - wie seid ihr auf diesen Namen gekommen, welchen Grund hat er?
Man sollte in den Namen nicht zuviel reininterpretieren, die Anspielung auf die Kombinate im Osten ist eher ironisch gemeint. Aber es hat uns gefallen einen langen komplizierten deutschen Namen zu haben, obwohl wir fast schon ein internationales Team sind mit Bayern, Schweizern, Russen, Britten, Schweden usw.. Und die Abkürzung SEK ist wirklich großartig, die kann sich jeder merken :-).

Vielen Dank für das Interview!

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Autorin / Autor: Carolin Batke/~astrid~ - Stand: 12. August 2004