Zwillingssterne

Autorin: Christina Moracho
übersetzt von Annette von der Weppen
ab 14 Jahren

Buchcover

Zwillingssterne, ein geheimnisvoller, geradezu mystischer Titel und dazu das schlichte, schwarz-goldene Coverdesigne – damit hat mich Cristina Morachos Werk auf den ersten Blick schon gefesselt, auch wenn ich mit dem Klappentext relativ wenig anfangen konnte. Er lässt allerdings auf eine Geschichte übers Erwachsenwerden schließen, das Erwachsenwerden der Charaktere Oliver und Althea.
Mit diesen beiden Figuren kreiert die Autorin sehr detaillierte, ausgearbeitete und gut vorstellbare Figuren, die sehr im Kontrast zu den meist schwammig geschilderten Nebencharakteren stehen. Dadurch gewinnt man den Eindruck, dass die Ich-Erzählerin Althea und ihr bester Freund Oliver irgendwie in einer eigenen Welt leben, in der für andere kaum Platz ist. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass vor allem Althea als wenig kontaktfreudig, mit geradezu keinen Freunden dargestellt wird. Oliver dagegen wagt immer wieder Versuche, sie zumindest in seinem kleinen Freundeskreis ein wenig mehr einzugliedern, doch auch Oliver hat seine Probleme: er hat eine sonderbare Krankheit, die sich in wochenlangen Schlafphasen bemerkbar macht, die ihn für diesen Zeitraum jeweils aus seinem Leben reißen, was dazu führt, dass sowohl Oliver als auch Althea lernen müssen sich ohne einander zurechtzufinden.
Nun könnte man meinen, dass „Zwillingssterne“ ein emotionsgeladenes Buch ist, doch war es das zumindest für mich nun eher weniger.
Tatsächlich kam die Ernüchterung schon auf den ersten paar Seiten. Die Ich-Erzählerin wirkt unnahbar, was dem Buch zwar seinen eigenen Charme gibt, aber stellenweise unpassend ist, hier hätte ich mir ein wenig emotionalere Schilderungen gewünscht. Auch kam mir die Zeitform unpassend vor, es wird im Präsens berichtet, wo ich persönlich bei dieser Art von Buch die Vergangenheitsform vorgezogen hätte, da sie in meinen Augen die Geschichte ein wenig lebendiger gemacht hätte, was es einfacher machen würde, sich hineinzufinden. Für mich hat es sehr lange gedauert, mich in der Geschichte einzufinden, was das Lesen mühsam und zäh gemacht hat. Ebenso muss ich die Darstellung der Nebenpersonen ein wenig kritisieren, da zumindest die engeren Bezugspersonen von Althea und Oliver weiter ausgearbeitet werden sollten.

Dennoch ist mein Fazit zu diesem Buch, bei dem es mich wirklich schmerzt so viele Kritikpunkte zu haben, da die Idee absolut überragend ist, dass man es nicht in der Versenkung verschwinden lassen sollte, da es sein Ziel trotz allem erreicht: es regt zum Nachdenken an. Wer ein Buch zum Nachdenken sucht und kein Problem mit schwerer Lektüre hat ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse und auch ich bleibe gespannt, was wir in der Zukunft noch von Cristina Moracho hören werden, obwohl „Zwillingssterne“ nicht ganz meinen Geschmack trifft.

Erschienen bei Königskinder

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 17. November 2014