Wo ein bisschen Zeit ist ...

Autor: Emil Ostrovski
Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel

Gerade an seinem 18. Geburtstag  befindet sich Jack Polovsky in einer Sinneskrise. Er möchte sich umbringen. Aus Angst, beim Sprung aus dem Fenster ein Krüppel zu werden, entscheidet er sich für eine Tablettenüberdosis. Kurz nachdem er die erste Tablette geschluckt hat, vibriert sein Handy. Seine Ex-Freundin Jess, die ihn beim letzten Treffen noch mit einem Stuhl beworfen hat, bittet ihn schnellstmöglich ins Krankenhaus zu kommen. Jack wird nämlich ungewollt Vater. Obwohl er mit einer Adoption einverstanden war, kommt es dazu, dass er spontan seinen eigenen Sohn entführt.

Das ist der Beginn einer unglaublichen, philosophischen Reise für Jack mit seinem besten Freund Tommy und auch mit seiner Ex-Freundin Jess. Mit seinem Sohn, den Jack vorübergehend Sokrates getauft hat, führt er gedanklich Dialoge über die Anschauungen von z.B. Sokrates, Aristoteles und Kant, die Jack helfen, sein eigenes Leben besser zu verstehen.

Als ich gelesen habe, das Pressestimmen den Debütautoren Emil Ostrovski mit John Green (Bestsellerautor von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) vergleichen, war mir klar, dass ich diesen Roman lesen musste. Als ich dann die letzte Seite gelesen hatte, konnte ich nur zustimmen. Der Sinn für Humor und philosophische Fragen ist ähnlich, aber dieser Roman ist eindeutig der philosophischere.

Allein anhand des schönen Buchcovers kann man schon einiges hinein interpretieren. Man sieht einen Pickup mit einem Kinderwagen als Gepäckstück und eine untergehende Sonne im Hintergrund. Es ist ein Roadtrip, bei dem der Weg das Ziel ist, der vom Protagonisten gemacht werden muss, bevor alles zu spät ist.

Bevor man diesen Roman liest, ist es von Vorteil wenn man ein wenig Ahnung von Philosophie hat oder sich mit Philosophie beschäftigen möchte und man generell Interesse hat, dass ein oder andere Wort nachzuschlagen. Es tauchen Dinge wie das Höhlengleichnis von Platon auf, und der Protagonist möchte gerne mehr als einmal zum Schierlingsbecher greifen, aber nicht weil er durstig ist. Für Jugendliche ist es zugegeben ein anspruchsvolles Buch. Es gibt seitenlange Dialoge mit den Gedanken von längst verstorbenen Philosophen, die nicht jedermanns Sache sind.

Aber mein Wortschatz ist auf jeden Fall um die Wörter „kafkaesk“ (Synonym für unheimlich) und „Usurpator“ (jemand der die Macht an sich reißt) gewachsen. Der Übersetzer hätte an manchen Stellen einfachere Wörter benutzen können. Aber dies soll keinesfalls abschrecken, dieses Buch zu lesen.

Der Roman hilft, sich der Philosophie unterhaltsam zu nähern und ist im Großen und Ganzen in einer verständlichen Sprache geschrieben. Die Handlung ist sehr mitreißend. Besonders der Epilog zu Beginn trägt zur Spannung bei.

„Wo ein bisschen Zeit ist…“ ist ein Roman, der sich mit den alltäglichen Themen Liebe, Verantwortung, Freundschaft und dem Sinn des Lebens auseinandersetzt. Es ist jedem zu empfehlen, der sich dem Leben auf eine philosophische Art und Weise nähern möchte.

Erschienen bei FJB

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Autorin / Autor: istminni - Stand: 1. August 2014