We All Looked Up

Autor: Tommy Wallach
übersetzt von Henriette Zeltner
ab 12 Jahren

Tommy Wallach ist ein Singer-Songwriter und Essayist, der seine Beiträge in verschiedenen New Yorker Magazinen veröffentlicht. Als Musiker ist er bei Decca Records unter Vertrag und trat bereits im New Yorker Guggenheim Museum auf. „We All Looked Up“ ist sein erster Roman. Sein zweiter Roman „Thanks For The Trouble“ ist im Februar 2016 auf Englisch erschienen.

Es ist nur eine kurze Meldung in den Nachrichten, die das Leben auf der Erde komplett durcheinander bringt: Ein Asteroid, genannt Ardor, driftet auf die Erde zu. Und wird sie treffen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 66,6%. In zehn Wochen wird er die Erde entweder auslöschen – oder er wird haarscharf an ihr vorbei rauschen und das Leben der Menschen doch von Grund auf verändert haben. Als Leser begleiten wir vier Jugendliche in Seattle, die alle auf dieselbe High School gehen, aber sonst nicht viel gemeinsam haben: Peter ist der Star der Schule, sportlich, mit einer heißen Freundin. Andy ist eher der Loser-Typ, ein Punk, der nur gelegentlich zur Schule kommt und lieber mit seiner Metal-Band in halblegalen Clubs spielt. Anita teilt zwar seine Leidenschaft für Musik, hält dies jedoch geheim, um ihre strengen Eltern nicht zu enttäuschen und ihre vorläufige Zulassung für die renommierte Princeton University nicht zu gefährden. Eliza hingegen hat sich längst von den Zwängen der Gesellschaft gelöst: In der Schule gilt sie als Schlampe, womit sie sich abgefunden hat – das einzige was für sie zählt, ist ihr krebskranker Vater. Doch nun taucht Ardor auf und lenkt das Leben der vier in neue, bisher unbekannte Bahnen. Jeder entdeckt etwas Neues, Wichtiges in seinem Leben, dem er bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Es entsteht eine andere Wahrnehmung von Vergänglichkeit: „Warum hatte er Zeit für eine unerschöpfliche Ressource gehalten? Jetzt war die Sanduhr gesprengt, und was er immer für Sandkörner gehalten hatte, erwies sich als eine Million winziger Diamanten.“ (S. 111)

Dem Autor Tommy Wallach gelingt mit dem vorliegenden Buch ein beeindruckender Spagat: Einerseits erzählt er von einer Tragödie, die die Menschheit möglicherweise auslöscht, Menschenleben von Grund auf verändert und die Protagonisten dazu bringt, ihr komplettes bisheriges Lebensziel zu hinterfragen. Dabei entdecken manche von ihnen ihre ganz eigene, jugendliche Weisheit: „Sie hätte ihm gerne gesagt, dass es an der Highschool ein bisschen wie bei einer Theateraufführung zuging, bei der jeder voreilig einen Part bekam, und dass er eben eine ziemlich miese Rolle erwischt hatte.“ (S. 253).  Andererseits berichtet er aus dem Leben von vier jungen Menschen, die trotz dieser schrecklichen Umstände sie selbst bleiben: Obwohl sie sich mit diesem ernsten Thema auseinander setzen müssen, beschäftigen sie sich auch mit nun scheinbar unwichtigen Dingen, die für sie persönlich aber nach wie vor eine große Bedeutung haben. Neben den großen Fragen nach Gott und einem Leben nach dem Tod gibt es eben auch die kleinen Fragen: „Was, wenn Jungs immer auf die mit den großen Titten und dem zweifelhaften Ruf standen?“ (S. 205). Durch diese Dualität ist das Buch eine tiefgründige und nachdenkliche, aber auch eine unterhaltsame und stellenweise richtig spannende Lektüre.
Die Handlung wird aus den vier Perspektiven der Protagonisten Peter, Andy, Anita und Eliza erzählt. Dies ist sinnvoll, da der Leser somit Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt jeder einzelnen Figur bekommt. Außerdem werden so auch Situationen, die mehr als eine der Hauptfiguren involvieren, teilweise in einem ganz anderen Licht dargestellt. Teilweise gehen die Erzählungen im Zeitverlauf ineinander über, teilweise überschneiden sie sich jedoch. Das war eine Kleinigkeit, die mich beim Lesen gestört hat; nach einem Perspektivenwechsel wird nicht immer ganz klar, ob chronologisch direkt weitererzählt wird oder ob es eine Wiederholung der parallelen Handlung gibt.
Besonders gut gefallen an dem Buch hat mir, dass es wenig klischeehaft wirkt. Es stellt sich erst im späteren Verlauf heraus, wer tatsächlich mit wem zusammenkommt und es gibt spannungsgeladene Dreieckskonstellationen, die zu Konflikten und starken Emotionen führen. Anders als in vielen anderen Jugendbüchern steht keine einzelne Liebesgeschichte, sondern die Entstehung vieler neuer Freundschaften im Vordergrund.
Im Vergleich mit anderen aktuellen Jugendbüchern mit ähnlichem Thema ( „Opfer“ von Jesper Wung-Sung, „Young  World“ von Christopher Weitz) hat mir „We All Looked Up“ am besten gefallen. Die Beschreibung von Chaos und Zerfall der gesellschaftlichen Strukturen wirkt authentisch und nicht überdramatisiert. Dafür werden die Effekte auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die eigenen Gedanken umso deutlicher, sind dabei aber trotzdem immer nachvollziehbar.

Insgesamt gefällt mir an „We All Looked Up“ besonders, was das drohende Ende der Welt in den handelnden Figuren auslöst. Wie auf dem Klappentext beschrieben, verlassen sie ihre Schubladen, sie machen neue Bekanntschaften und rücken insgesamt näher zusammen – nur schade, dass sie dafür erst dem Tod ins Auge blicken müssen. Jedes Leben ist endlich, egal ob uns das Ende in 10 oder 4000 Wochen erwartet. Dies sollte Grund genug sein, einen Schritt auf Mitmenschen zuzugehen, das eigene Leben als solches wertzuschätzen und Prioritäten zu setzten, die den eigenen Vorstellungen und Wünschen entsprechen.

Erschienen bei cbj Verlag

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