Und wieder Winter

Autorin: Anja Schauberger

„Warum werden eigentlich immer die Menschen krank, die es am wenigsten verdient haben?“

Eine Mutter, die Brustkrebs hat, zwei Töchter im Teenageralter und der Spagat zwischen Krankheit und Normalität- das beschreibt der Roman “Und wieder Winter“ von Anja Schauberger. Die Ängste, die einen umtreiben, wenn die eigene Mutter Brustkrebs hat, werden eindrücklich erzählt, auch der Zwiespalt zwischen „Ich möchte ein normales Leben führen“ und „Ich möchte meine Mutter unterstützen“, besonders der älteren Tochter Anna, wird gut beschrieben.

Anna verliebt sich neu und möchte das Zusammensein mit Daniel genießen, aber die Sorge um die Mutter und ihre Schwester, die in ihren Augen zerbrechlich ist, macht es ihr fast unmöglich. Der Roman kommt sehr leise daher, es wird der Alltag beschrieben und immer wieder schleichen sich Sätze ein, die an die Krankheit der Mutter erinnern, wieder bewusst machen, um was es in dem Roman wirklich geht.

Es wird deutlich, wie sehr Anna bemüht ist, ihr Leben zu leben, ohne ihre Mutter zu vergessen. Auch ihre Wut wird beschrieben, wenn die Mutter ihr und ihrer Schwester nichts zu ihrer Krankheit erzählt, obwohl beide wissen, wann Untersuchungen sein werden und wie schwierig es für die Mutter ist. Es wird sehr „mädchentypisch“ (oder was man sich darunter vorstellt) beschrieben, wie Anna sich um ihre Kleidung sorgt oder ihre Schwester. Das ist für mich als Leserin anstrengend gewesen, hat aber auch etwas damit zu tun, dass ich mich mit Mode weniger beschäftige (was man fairerweise dazu sagen muss).

Respekt vor dem Roman hat man deshalb, weil die Autorin selbst den Alltag mit einer krebskranken Mutter kennengelernt hat und man im Roman spürt, dass die Geschichte auf eigener Erfahrung basiert. Für mich war es trotz des ernsten Themas, was mich betroffen gemacht hat, schwer den Roman von vorne bis hinten durchzulesen, weil die Passagen voller Verliebtheit und Kleidungssuche für mich sehr uninteressant waren. Das ist jedoch, wie vieles, Geschmackssache.

Der Roman “Und wieder Winter“ ist besonders, da er das Thema krebskranke Mutter und wie man damit im Alltag umgeht, wie es für die Töchter ist, behandelt. Es ist jedoch schwierig, wenn man sich nicht so sehr für Outfits interessiert oder die betont sehr jugendlich gehaltenen Diskussionen oder Gedanken nicht gut nachvollziehen kann.

Dennoch:
Für LeserInnen, die wissen wollen, wie ein Alltag mit einer Krebserkrankung aussieht, wie es sich für die Kinder anfühlt und wie schwierig es sein kann dann sein eigenes Leben zu führen, ist der Roman geeignet. Es gibt immer wieder sehr ehrliche Sätze, die einen beeindrucken, der einzige Minuspunkt (aus meiner Sicht) sind die vielen Passagen voller Kleidungssorgen und Jungs-Gedanken, die fast zu typisch wirken - das kann jedoch auch als Kontrast zur Krankheit gedacht sein, allerdings hat es mir das Lesen des Romans sehr schwer gemacht.

Besonders zum Ende hin wird der Roman und Anna als Charakter jedoch immer ehrlicher und authentischer, wer es also bis zum Ende durchhält, für den lohnt sich der Roman sehr. Um abzuschließen, ein Satz aus dem Roman, der einen sehr nachdenklich zurück lässt:
„Eine Stunde später gehe ich endlich nach Hause. Zu viel Maskerade, zu viele Gedanken in meinem Kopf“.

Erschienen bei: Herzklopfen und so

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Autorin / Autor: writer-girl - Stand: 8. April 2013