Tote essen kein Fast Food

Autorin: Karin Baron

„Tote essen kein Fast Food“ erzählt die wohl aufregendste Geschichte, die einem 16-jährigen Mädchen in den Ferien passieren kann. Es ist ein wirklich spannender und dadurch kurzweiliger Krimi von Karin Baron und es gelingt der Autorin, den Leser (oder die Leserin) in eine völlig unbekannte Umgebung zu versetzen. Die Handlungsplätze liegen zwar auf der Insel Sylt, doch wohl die wenigsten Menschen waren dort schon in der Vergangenheit unterwegs, die nur einige Meter tiefer als der Alltag zu sein scheint.

Fannys Geschichte beginnt jedoch weniger aufregend. Ihre Eltern haben sich getrennt, ihr bester Freund ist ihr verpeilter Hund, im Radio unterbricht ständig eine Vermisstenmeldung die Musik, und ihr Vater hat beschlossen, sein Erbe anzutreten. Das alles könnte Fanny egal sein - doch dann soll sie nach Sylt (ein „sandiger Haken in der Nordsee“) reisen, um – nicht etwa Sommerurlaub zu machen - ein altes Haus zu renovieren. Das Erbe. So hat sie wenig Zeit, um an den Strand zu gehen. Als ihr Vater dann eine Überraschung der anderen Art für sie hat, scheinen die Ferien gelaufen zu sein. Doch dann lernt sie plötzlich Jan kennen und alles wird so viel schöner und ihre Welt scheint doch noch rosarot zu werden. Wäre sie etwas später nur nicht in diese Grube zwischen den Dünen gefallen. So beginnt ein unterirdisches Abenteuer, mit dem niemand rechnen konnte, denn die alten Bunkeranlagen waren fast vergessen…

Tatsächlich ist die Geschichte der Unterwelten nicht aus der Luft gegriffen. Noch heute existieren in Deutschland zahlreiche Tunnel und riesige Bunker aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Sie sind zum Schutz der Bevölkerung, aber auch zu militärischen Zwecken errichtet worden. Es gibt nicht nur solche Bauten über der Erdoberfläche, sondern auch spezielle Luftschutzbunker, die sich unterirdisch befinden. Personen konnten so vor Waffeneinwirkungen geschützt werden. Militärische Bunker dagegen sollen nur die Stellung stabilisieren und dienten zur Verteidigung, da sie einer Festung ähneln. Einige dieser Anlagen werden nun als Tiefgaragen oder auch als U-Bahn-Stationen genutzt, denn bisher ist es noch nicht gelungen, solche Anlagen zu sprengen.
Deshalb sind sie auch noch auf Sylt in der Nähe von einigen Kurorten existent, denn während des Krieges wurde eine Ankunft der Alliierten erwartet, doch Sylt wurde nicht so stark vom Kriegsgeschehen betroffen wie gedacht. Die Bunkeranlagen jedoch blieben.

Gerade dieser Realitätsbezug macht dieses Buch sehr lesenswert. Die Mischung aus bekannten und unbekannten Gebieten macht den Krimi so faszinierend, denn die Handlungsplätze wechseln immer wieder. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, ebenso wie eine zunächst harmlos wirkende Vermisstenanzeige. Außerdem ist dieses Buch von der Sichtweise und dem Humor einer Jugendlichen geprägt. Es gibt einige, aber nicht weniger spannende Nebenhandlungen zusätzlich zu den Hauptgeschehnissen. Aber auch die detaillierten Schilderungen und der angenehm zu lesende Schreibstil machen „Tote essen kein Fast Food“ für mich zu einem Krimi mit eindeutigem Lieblingsbuchpotenzial.

Erschienen bei: Kosmos

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Autorin / Autor: smiley - Stand: 25. Januar 2013