So fern wie nah

Autor: John Boyne

Bereits in seinem mehrfach ausgezeichneten Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" schreibt John Boyne über den Krieg – das Schicksal zweier Jungen während Nazidiktatur und Holocaust ist trotz aller Grausamkeit poetisch erzählt und berührt den Leser unmittelbar. Ebendies gelingt ihm auch in "So fern wie nah", dessen Geschichte zur Zeit des Ersten Weltkriegs angelegt ist.

Der kleine Alfie Summerfield ist gerade fünf Jahre alt, als der Krieg ausbricht, und an seinem Geburtstag gibt ihm sein Vater Georgie das Versprechen, trotz aller Kriegseuphorie die Familie nicht zu verlassen – ein Schwur, den er bereits am nächsten Tag bricht. Und da die Kämpfe nicht, wie von vielen erwartet und erhofft, bereits an Weihnachten beendet und die Soldaten in die Heimat zurückgekehrt sind, beginnt für Alfie und seine Mutter eine schwere Zeit: So klein er auch ist, so sehr fühlt Alfie sich doch dafür verantwortlich, den Vater zu vertreten, und so beginnt er bald sogar, zu arbeiten, um seine Mutter auch finanziell unterstützen zu können.
Vier Jahre später hat der Junge beinahe die Hoffnung aufgegeben, den geliebten Vater jemals lebend wiederzusehen. Als er dann jedoch erfährt, dass Georgie Summerfield tatsächlich nach England zurückgekehrt sein soll und in einer Klinik für traumatisierte Soldaten behandelt wird, steht für Alfie fest, dass er seinen Vater nach Hause holen muss. Alfie versteht nicht, warum es seinem Vater in einem Krankenhaus besser gehen sollte, als zu Hause bei seiner Familie – doch als er nach den langen Jahren der Trennung Georgie erstmals wieder gegenüber steht, voller Freude, Liebe und Glück, muss er etwas Schreckliches erleben: Sein eigener Vater scheint ihn nicht mehr wiederzuerkennen ...

Alfies Geschichte – und letztlich auch die seines Vater – ist einfühlsam erzählt und zieht den Leser sofort in ihren Bann. Durch lebhafte und glaubwürdige Schilderungen zeichnet John Boyne ein gut vorstellbares Bild des Krieges und seiner physischen, aber auch psychischen Auswirkungen selbst für jene, die nicht unmittelbar daran beteiligt waren. Besonders Alfies charakterliche Weiterentwicklung – obwohl so jung, muss er Verantwortung übernehmen und eine Reife erlangen, die weit über sein Alter hinausgeht – ist beeindruckend und absolut authentisch beschrieben und nötigt dem Leser größten Respekt und viel Sympathie für den Protagonisten ab.
Obwohl der Krieg die Handlung dominiert, ist "So fern wie nah" keine deprimierende Lektüre, sondern zeigt, ohne zu beschönigen, dass sich Hoffnung, Freundlichkeit und Zusammenhalt auch in den scheinbar ausweglosesten Situationen finden lassen. Ein beeindruckender und sehr poetischer Roman, der gleichzeitig als Zeitzeugnis gelesen werden kann, das zum Nachdenken anregt. Besonders zur 100. Jährung des Kriegsbeginns in diesem Sommer eine absolut zu empfehlende Lektüre!

Erschienen bei: Fischer Verlage

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Autorin / Autor: fabienne - Stand: 31. März 2014
 
 
 

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