Quotenmädchen

Warum ist das Angebot an weiblichen Rollenbildern eigentlich so begrenzt?

Sie wird geliebt. Außer natürlich von den wenigen verblendeten Individuen, die das Licht noch nicht gesehen haben und sie abgrundtief hassen, wofür sie im Laufe der Geschichte todsicher bestraft werden, sollten sie sich nicht rechtzeitig zur einzig wahren Religion, pardon, Emotion bekehren. Sie beherrscht den perfekten Augenaufschlag und wenn sie nicht gerade tollpatschig durchs Leben stolpert, um von einem edlen Ritter aufgesammelt zu werden, ist sie selbstverständlich in der Lage, die Welt zu retten, ohne dabei ihre perfekt manikürten Nägel zu ruinieren. Sie hat mindestens einen tragischen Einschnitt im Leben hinter sich und trägt äußerst schwer daran, was man allerdings ihrem ewig sonnigen Gemüt niemals anmerken würde. Sie steht mit beiden Beinen im Leben und macht ihr eigenes Ding – das heißt, bis Mr. Right um die Ecke biegt, ohne den sie fortan nicht mehr kann.

Liebe Mary Sue, hast du dich wiedererkannt? Dabei war von dir gar nicht die Rede, dein Terrain sind immerhin auf Hobbybasis verfasste Fanfictions. Worum es mir aber im Moment geht, sind deine Schwestern im Big Business: Die Quotenmädchen, die ihr Auskommen in kommerziell vertriebenen Filmen, Serien und Büchern gefunden haben.

In den Büchern, Filmen und Serien, die ich als Kind und Jugendliche mochte, wimmelt es nur so von ihnen, umso erstaunlicher, dass mir erst langsam aufgeht, dass sie alle derselben Gewerkschaft angehören sollten, so ähnlich ist das Schicksal, das sie teilen. Manche von ihnen mögen wirklich großartige Charaktere sein, die nur das Pech hatten, eine schlechte Rolle bekommen zu haben, einige von ihnen wurden tatsächlich erfunden von einem Menschen ähnlicher Begabung wie die Autoren der bereits erwähnten Mary Sues. Aber alle hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack auf der Zunge und die Frage: warum ist das Angebot an weiblichen Rollenbildern eigentlich so begrenzt?

Ganz besonders in Filmen und Büchern, die für Kinder gemacht werden, beobachte ich das Phänomen, weibliche Auftritte auf ein, zwei „Quotenmädchen“ zu beschränken: Frei nach der Binsenweisheit, dass Mädchen auch Geschichten über Jungs gerne lesen, während anders herum Jungs einen großen Bogen um allzu viele Mädchen machen. Also hält man den Gehalt an Femininität lieber auf einem sicheren, niedrigen Level. Das mag sich logisch anhören, wird aber sicher nicht dazu führen, dass Kinder lernen, klassische Geschlechterklischees abzubauen, wenn sie ihnen immer wieder vorgekaut werden. Und: nein, ich glaube nicht, dass Mädchen wirklich „von Natur aus“ eher bereit sind, sich mit fiktiven Figuren des entgegengesetzten Geschlechts zu identifizieren. Nicht, so lange es immer noch zu den größten Beleidigungen gehört, die man einem Jungen oder einem Mann angedeihen lassen kann, er habe sich zu „feminin“ verhalten. 

Davon einmal abgesehen, was lernen Mädchen eigentlich, wenn sie sich die leider überwältigende Mehrheit weiblicher Charaktere zum Vorbild nehmen, die ihnen in Film, Fernsehen und Literatur präsentiert werden?

1. Die ultimative Erfüllung liegt darin, in einer heterosexuellen Zweierbeziehung aufzugehen. Erfolg und Selbsterfüllung – alles nichts gegen diesen einen perfekten Kuss im Abenrot!

2. Stell um Himmelswillen immer sicher, dass man dir auch auf die größte Entfernung ansieht, dass du ein Mädchen bist. Wie macht man das? Am besten mit einem disziplinierten Farbschema!

3. Egal, welche Hobbies du sonst noch haben magst, nichts bringt größere Glückseligkeit als Konsum. Shoppingalarm!

4. Egal, wie kompetent du bist, irgendwann wird immer der Punkt kommen, an dem du dich von einem Mann aus der Patsche holen lassen musst.

5. Was eine Heldin ist, muss gut aussehen! Und gut bedeutet immer: schlank, kurvig und vieeeeeeeel freie Haut.

6. Frauen und Naturwissenschaften gehen irgendwie nicht zusammen – und wenn doch, dann auf dem Umweg über einen Mann, der die schwere Materie gnädigerweise frauengerecht aufbereitet.

7. Du bist ein Opfer deiner Hormone. Also versuch gar nicht erst, professionell zu wirken. 

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Autorin / Autor: pfefferminztea - Stand: 15. April 2012
 
 
 

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