Nicht mit mir, Schwesterherz

Autorin: Jessica Martinez
übersetzt von Sabine Bhose
ab 13 Jahren

Amelia und Charly. So verschieden wie ihre Namen sind die Mercer-Schwestern auch charakterlich. Die extrovertierte und unvorsichtige Charly gerät immer mal wieder in Schwierigkeiten, und ihre große Schwester Amelia, aus deren Sicht das Buch „Nicht mit mir, Schwesterherz!“ geschrieben ist, hat sich längst damit abgefunden, ihr aus diesen wieder herauszuhelfen und nur eine Nebenrolle im Schauspiel des Lebens zu besetzen.

Schauplatz ist zunächst die amerikanische Kleinstadt Tremonton. Hier leben die beiden Schwestern gemeinsam mit ihrem Vater, einem Pastor, und ihrer Großmutter; die Mutter ist bereits vor vielen Jahren verstorben. Die Mercers sind streng christlich, was Amelia, die allgemein einen verantwortungsbewussten und reifen Eindruck macht, wesentlich ernster zu nehmen scheint als ihre kleine Schwester.
Das Leben verläuft in geregelten Bahnen - wenigstens für Amelia. Ihretwegen kann es also auch so weiter verlaufen, doch dann taucht Charly nach einer Party zunächst nicht auf und durch den darauf folgenden Ärger erleidet das verbindende Band zwischen den Schwestern einen Riss. Dies wird nicht besser, als Charly schließlich gesteht: Sie ist schwanger.
Nachdem die Großmutter eingeweiht wird, ist schnell klar, dass niemand davon erfahren darf, schon gar nicht der Vater, also werden die Schwestern unter dem Vorwand, die Verwandtschaft mütterlicherseits besser kennenlernen zu wollen, nach Kanada geschickt. Dort entzweien sich die Schwestern endgültig und das Leben ist für Amelia nun schlichtweg zum kotzen. Lichtblicke im kalten tristen Kanada gibt es für sie nur bei Ezra, doch der ist für sie ein Buch mit sieben Siegeln.
Als sich Charly und Amelia schließlich wieder ein wenig annähern, sorgt ein weiteres Geständnis von Charly für eine Wendung, die das Buch in einem unerwarteten Ende münden lässt.

Meine Meinung
Das rosafarbene Cover lässt das Buch zunächst unschuldig wirken, doch der Autorin Jessica Martinez gelingt eine überraschend realitätsnahe und ergreifende Geschichte.
Obwohl sich hier und da auf den Seiten der ein oder andere Grammatik- oder Rechtschreibfehler versteckt hat, lässt sich die Story flüssig lesen und kann sogar mit geradezu poetischen Passagen aufwarten.
Besonders bemerkenswert finde ich, wie subjektiv tatsächlich erzählt wird – denn das ist bei dieser Thematik keinesfalls einfach, schon gar nicht, wenn nicht aus der Sicht der Schwangeren erzählt wird. Auch ist positiv zu vermerken, dass der Standpunkt eben der einer „Außenstehenden“ ist! Das ist in diesem Genre nicht üblich.
Die Gefühlsvermittlung ist ebenfalls einwandfrei, wodurch es ein leichtes ist, sich in Amelia hineinzuversetzen und sich auch mit ihr zu identifizieren. Hinzukommt, dass es eine doch sehr aktuelle Thematik ist, mit der man hier zu tun hat, was das Buch auch als Schullektüre für beispielsweise den Ethikunterricht, in dem so etwas durchaus auch angesprochen wird, qualifiziert.
Alles in allem ist es ein faszinierend guter Roman in den Kritikpunkten Sprache, Gefühl und Thematik und steht zumindest bei mir, was Jugend-Reality-Romane betrifft, ganz oben auf der Liste.
Absolut lesenswert!

Erschienen bei Boje

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 7. Oktober 2014