Liberty Bell

Autor: Johanna Rosen

Ernesto und seine Freunde finden zufällig im Wald eine Hütte, in der ein einsames Mädchen lebt. Sie ist nackt, singt leise vor sich hin und schlachtet Bieberratten. Die Jungen sind fasziniert von ihrer Entdeckung, wissen aber nicht was sie davon halten sollen. Wer ist dieses Mädchen? Wie lange lebt sie schon so im Wald? Ist sie vielleicht eine Verrückte?
Ernesto beschließt sich ihr anzunähern und gewinnt tatsächlich etwas Vertrauen von dem eingeschüchterten Mädchen. Doch da wird die Presse auf sie aufmerksam und Liberty Bell, das Mädchen aus den Wäldern, wird in eine viel zu laute, hektische und absolut fremde Welt katapultiert. Ernesto hält trotz allem zu ihr und die beiden verlieben sich ineinander.
Allerdings drohen das Geheimnis von Liberty Bells Herkunft und ein brutaler Mord, ihre Liebe zu zerstören.

Am Anfang des Buchs ist eine Art Vorspann, der den Leser wohl fesseln und neugierig machen soll. Leider ist das nicht der Fall. Als Leser ist man verwirrt von dem zusammenhangslosen Gefühlschaos von unbekannten Personen und man würde die ersten Seiten am liebsten überspringen, da sie für die folgende Handlung sowieso nicht von Bedeutung sind.
Was danach folgt ist schon besser, kommt aber auch nicht ohne Kritik davon: Ernesto und seine Freunde werden vorgestellt, sodass man sich ein Bild von ihnen machen kann. Meiner Meinung nach sind die Jugendlichen aber viel zu klischeehaft: Ihre Sprache ist so niveaulos, dass es schon wieder unrealistisch ist. Auch ihre Handlungen und Sichtweisen sind zu pubertär, als dass man sie sich wirklich vorstellen könnte.
Nachdem man sich durch die ersten Kapitel gequält hat, merkt man, dass es sich doch um ein lesenswertes Buch handelt, denn erst dann geschieht das Interessante: Ernesto nähert sich dem Mädchen aus dem Wald an, weil er es einfach nicht vergessen kann.
Ab diesem Zeitpunkt war mir endlich einer der Jungen sympathisch, denn zuvor hatten mich die Charaktere nur genervt. Ernesto schien trotz seines schwierigen Umfeldes ein netter Kerl zu sein, dessen Geschichte man gerne liest.
Je weiter man mit dem Buch vorankommt, desto klarer wird einem, dass es nicht nur eine Rolle spielt, wie Liberty Bell mit ihrem neuen Leben zurecht kommt, sondern auch Kindesmissbrauch und andere ernste Themen sind Schwerpunkte.
Inhaltlich ist es anfangs also sehr schleppend, aber es wird mit jeder Seite besser und spannender.
Sprachlich hingegen ist es (mit Ausnahme von den Dialogen zwischen den Jungen) sehr gut geschrieben. Die Wortwahl ist passend und der Stil erlaubt es, dass sich der Text schön flüssig liest. Wenn man davon absieht, dass einiges unrealistisch erscheint, kann man sich dank der Beschreibungen ein gutes Bild von der Situation machen.
In Ernestos Charakter kann man sich hineinfühlen, wobei man sich bei allen anderen Personen schwerer tut, doch es ist nicht unmöglich sie zu verstehen.
Das Personenverzeichnis am Ende ist sehr hilfreich, da man bei den vielen Charakteren schon hin und wieder durcheinander kommt.
Das Cover ist vielversprechend und sehr schön gestaltet, da man schon eine gewisse Vorstellung bekommt und man sich so von dem Buch angesprochen fühlt.

"Liberty Bell" ist ein Buch, dass trotz einiger Kritikpunkte sehr lesenswert ist - vor allem für Jugendliche, die sich gerne mit schwierigeren Themen auseinandersetzen.


Erschienen im Arena Verlag

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Autorin / Autor: dini98 - Stand: 26. Juli 2013