Lagunenrauner

Autor: Gunnar Kunz

Venedig um 1500. Als das Wasser der Lagunenstadt verschwindet und sich dafür ein schwarzer, zäher Nebel in den Kanälen ausbreitet, sind die Menschen entsetzt. Was hat das zu bedeuten? Und warum sterben immer mehr Menschen auf qualvolle Weise an einer mysteriösen Krankheit? Den 16-jährigen Marco trifft es besonders schlimm: Hörte er bisher das Wasser flüstern, spürt er nun eine dunkle, unheilvolle Leere. Die Nachbarstochter Chiara ist überzeugt, dass er seine Gabe nutzen muss, um Venedig zu retten. Als auch sie erkrankt, muss sich Marco entscheiden: zwischen Hass und Liebe, Vergangenheit und Gegenwart und Zweifel und Vertrauen.

In seinem Jugendbuchdebütroman „Lagunenrauner“ erzählt Gunnar Kunz die magische und spannende Geschichte Marcos, dem das Wasser Geschichten von fremden Ländern erzählt und das vor der wunderbaren Kulisse Venedigs. Besonders gefielen mir die verschiedenen Charaktere in „Lagunenrauner“. Sie sind sehr differenziert ausgearbeitet und wirken dadurch realistisch. Meistens begleitet man Marco, der nach einem tragischen Unfall verschlossen und abweisend ist, auf seinen Wegen durch die Stadt. Während der Geschichte (die sich über mehrere Monate zieht) merkt man, wie er sich langsam verändert und öffnet.

In einigen Kapiteln wird Chiara beschrieben, die mit ihrer positiven Art eine erfrischende Abwechslung zu Marcos Niedergeschlagenheit darstellt. Chiaras Brüder vertreten sehr unterschiedliche Meinungen und sind sich doch sehr ähnlich. An ihnen sieht man, was passiert, wenn man Rebellen oder Regierung blind folgt, ohne kritisch zu denken. Allerdings sind alle Charaktere wandelbar, manche im positiven, andere im negativen Sinne, sodass einige Figuren für unvorhersehbare Überraschungen sorgen ...

Die Lagunenstadt bietet einen tollen Handlungsort für die Geschichte. Ihr wunderbares Flair mit den kleinen und großen Kanälen, den Gondeln und den vielen Inseln begleitete mich während des ganzen Buches. Dabei lernt man ganz nebenbei viel Interessantes über die Herstellung der berühmten venezianischen Masken, was es bedeutet „die Löwen zu füttern“ und ein paar Geheimnisse der Glasbläserkunst. Einige Beschreibungen, besonders beim Fischfang, waren mir jedoch zu kompliziert. An diesen Stellen hätte ich mir ein paar erklärende Worte gewünscht.
Der Autor hat einen besonders anschaulichen Schreibstil, der nicht nur das mittelalterliche Venedig vor meinen Augen lebendig werden ließ (mit seinen schönen und auch weniger schönen Seiten), sondern dem es auch gelang, mithilfe des Nebels eine unheilvolle Atmosphäre der Angst zu schaffen. Ich spürte förmlich, wie sich Menschen und Häuser mit den dunklen Gefühlen, die der Nebel bringt, vollsogen. Durch Marco und Chiara, die diese Entwicklung bewusst wahrnehmen und sich davon nicht unterkriegen lassen, wird die Geschichte jedoch nicht zu trübselig.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir „Lagunenrauner“ sehr gefallen hat. Die realistischen Charaktere, die geheimnisvolle Geschichte und die dunkle Atmosphäre machen das Buch zu einem echten Lesehighlight!


Erschienen bei: Thienemann Verlag

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Autorin / Autor: leseratte89 - Stand: 3. Juli 2013