Junkgirl

Autorin: Anna Kuschnarowa

„Es ist der Kampf von Alissa Johansson, siebzehn, dem klapprigen Avril-Lavigne-look-alike-Junkgirl, Exjunkie, Heroine, die blutjunge Kindfrau, das versteinerte Kind. Eine Greisin, ausgelebt, aufgebraucht, sweet seventeen und unsagbar alt.“

Das Buch
Alissa ist unscheinbar, ein wenig verplant und kein Blitzmerker. Und sie wurde in eine Familie hineingeboren, in der sie von lauter perfekten Super-Geschwistern umgeben ist, von denen sie die jüngste ist. Sie ist Naja-Alissa, ein Alien, die wandelnde Langeweile, wie sie selbst sagt. Aber mit Tara, der Neuen an ihrer Schule, ändert sich alles.
„Und dann auf einmal brach das Leben, das echte Leben in meine Existenz. Erst schleichend, langsames Crescendo, dann mit so viel Wucht, dass es mich echt aus dem Schuhen haute.“
Tara ist so, wie Alissa auch sein möchte. Unabhängig, cool, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Die beiden verlieben sich und Alissa wird immer mehr zur Tara. Netzstrümpfe, Minirock & Co.
Doch auch hinter der Fassade von „pitchblack Angel“ Tara verbirgt sich eine Welt, die alles andere als bewundernswert ist: Drogen, Alkohol, Problemvergessen. Alissa will jedoch mit eintauchen in die Welt von Tara. Sie bricht von zu Hause aus und stürzt sich mit Tara und ihren Bekannten in die Berliner Drogenszene. Das Erbe der gestorbenen Eltern von Tara lässt einen reichlichen Drogenkonsum zu, der hinreicht bis zum Heroinschnüffeln. Aber nach kurzer Zeit ist das Erbe aufgebraucht und die beiden müssen ihren täglichen Drogenkonsum irgendwie finanzieren.
„Am Anfang schämte ich mich noch, wenn ich alten Omas die Handtasche ausräumte, aber irgendwann gewöhnst du dich an alles.“
Nicht lange dauert es, und das einzige Lebensziel von Alissa ist die Droge.
„Oh Herr, unseren täglichen Schuss gib uns heute, aber besser zwei oder drei. Amen. Es darf auch gern ein bisschen mehr sein. Halleluja!“

Meine Meinung
„Five, four, three, two, one, zero. Explosion. Und boom. Alissa, die tickende Zeitbombe.“
Der Buchdeckel von „Junkgirl“ sagt: Tauche ein in die Welt der Drogen. Bunt, verführerisch, gefährlich. Und genau das ist das Buch. Es ist eine Reise durch verschiedene Lebensphasen von Alissa Johansson. Erst ist sie „Wondering Alissa“, dann „Alice in Wonderland“, dann „Alice in Junkieland“, dann „Falling Alice“, dann „Fixing Alice (was back)“ und schlussendlich „Princess Cleantiness, spattered by Alice“.

Der Leser geht diese Phasen mit, die immer wieder unterbrochen werden von Passagen, in denen die kleine Stimme im Kopf von Ex-Junkie Alissa namens Alice immer wieder zu ihr spricht, sich einen Schuss wünscht, Alissa runterzieht.
„Und Cut. Reality off. Peace on.“
Ihr Leben ist „Die Kinder von Bahnhof Zoo 2.0“, wie Alissa sagt. Sie fühlt sich abgestoßen und nicht akzeptiert, weder in ihrer Familie noch in der Schule. Sie steht am Rand des Lebens der anderen und sieht zu. Doch mit Tara wird sie zur „Drug Princess“, steht endlich einmal im Mittelpunkt, wird sogar bewundert. Warum sollte sie sich zurückwünschen in das „normale Leben“, wenn sie in ihrem Scheinlebenpuzzle aus Drogenpuzzleteilen alles hat, was sie braucht? Die Geschichte von Alissa berührt auf eine bestimmte Art und Weise, man will ihr als Leser sagen: „Hör auf, du machst dir dein Leben kaputt!“, aber sie macht weiter, und das mit Konsequenzen. Obwohl sie doch nur dazu gehören wollte.

„Game over.“

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Autorin / Autor: anika.blaubeermuffin - Stand: 5. Oktober 2011