Irgendwann in Istanbul

Autorin: Karin Kaçi

Buchcover

In dem Jugendroman "Irgendwann in Istanbul" von Karin Kaci geht es um die 22jährige Deutsch-Armenierin Ani, die sich in der türkischen Metropole Istanbul auf die Suche nach ihrer Vergangenheit macht. Anis Oma, zu der die junge Frau eine besonders enge Bindung hat, ist seit knapp zwei Jahren dement und hat völlig ihre eigene Geschichte und Herkunft vergessen. Bewaffnet mit einem Fotoapparat hofft Ani, die Plätze der Jugend ihrer Oma zu finden und mit den neuen Fotos ihre Erinnerung zu wecken. Denn sie weiß selber auch nicht so ganz genau, wo sie eigentlich herkommt und wer sie als Halb-Armenierin ist. In Istanbul trifft sie schließlich auf den jungen Studenten Kilian, der gerne ein bisschen zu viel von sich selber erzählt, und Batu, der verschlossen und geheimnisvoll ist. Hals über Kopf stürzt sie sich nicht nur auf die Suche nach ihren Wurzeln, sondern auch eine Liebesgeschichte zwischen Orient und Okzident. Aber kann sie wirklich die Orte ihrer Oma finden und so die Erinnerungen wieder an die Oberfläche bringen?

Der Roman ist sehr gut geschrieben und punktet vor allem mit tollen stilistischen Mittel wie Vergleichen oder sprachlichen Bildern, die sofort eigene, sehr lebendige Bilder vor dem inneren Auge des Lesers wecken. Und obwohl man vielleicht noch nie in Istanbul war, kann man sich die Straßenzüge detailgetreu vorstellen und kann auch die genannten Orte gut geographisch verorten. Besonders schön ist auch die Beschreibung der Innensicht der Personen, die mit einem sehr scharfen und analysierenden Blick die Schwachstellen entlarven. Insgesamt ist die Geschichte sehr anschaulich und gut zu lesen geschrieben, auch wenn es stellenweise ein paar holprige Übergänge gibt.  Besonders das Thema „Vergessen und Erinnerungen“ und „schöne Vergangenheit“ wird mit sehr viel Tiefe behandelt: Wie gebe ich jemandem Erinnerungen zurück, kann ich mich in der Vergangenheit eines Anderen verlieren oder kann man die Vergangenheit einfach aufleben bzw. vergessen lassen?

Ein einziger Kritikpunkt ist, dass das Buch voraus setzt, die Geschichte der Armenier in der Türkei zu kennen, was nicht immer der Fall ist. Es ist zwar schön, mal den Blickwinkel einer ethnischen Minderheit in der Türkei und die damit verbundenen Probleme oder Einschränkungen zu sehen (die Autorin ist selbst Armenierin, was auf eine autobiographische Ausrichtung deutet), jedoch sollte man dafür auch die Geschichte dieses Volkes kennen.
Empfehlenswert ist der Jugendroman für alle, die sich mit dem Thema Suche nach der Vergangenheit, Schönheit der Vergangenheit oder Suche nach den eigenen Wurzeln beschäftigen wollen, und zwar liebevoll verpackt in eine Liebesgeschichte. Dieses Buch hat Tiefgang, ist jedoch gut zu lesen und einfach zu verstehen. Jedoch sollte man sich vorher einmal kurz über Armenier in der Türkei informieren. Ansonsten: Viel Spaß beim (imaginären) Treibenlassen in Istanbul!


Info: Planet Girl Verlag

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Autorin / Autor: hanami - Stand: 31. März 2014