Hüter der Worte

Autorin: Diana Menschig

Wie muss es wohl sein, sich plötzlich in der eigenen Fantasygeschichte wiederzufinden? Und was passiert, wenn Elemente aus der „anderen“ Welt plötzlich im eigenen Alltag auftauchen. Tom Schäfer macht gleich beide Erfahrungen auf einmal. Er ist Bestsellerautor, brütet aber zu Beginn des Buches über einer Schreibblockade. Doch zum Glück trifft er Mellie, die scheinbar ein großer Fan seiner Bücher ist, und hin und wieder einzelne Fortschreibungen der Geschichte herumliegen lässt. Tom sieht sich und Mellie schon gemeinsam alt werden, da entzweit sie ein Streit. Mellie wirft Tom vor, seinen Protagonisten Laryon nicht verantwortungsvoll zu behandeln und ihn zu verraten. Tom ist verwirrt, es ist doch alles nur ausgedacht, was er da schreibt. Nach und nach kommen ihm Zweifel an diesem Weltbild. Was wenn seine Buchwelt doch real existiert? Aus einer Laune heraus versucht er Laryon herbeizuschreiben – und es funktioniert. Seine Hauptfigur ist jedoch weniger davon begeistert, einen geistigen Schöpfer zu haben und findet Tom ganz schon unverschämt. Außerdem muss er zurück in seine Welt und diese vor einem Angriff von Magiern schützen. Kurze Zeit später findet nicht nur er sich zurück in der Buchwelt, sondern auch Tom verschlägt es in die Fantasywelt.

Natürlich enthält der Roman die gängigen Genre-Merkmale. Es gibt einen Kampf Gut gegen Böse, die Fantasywelt ist eher am Mittelalter orientiert (abgesehen von der Wissenschaft) und es gibt den Helden der eigentlich gar keiner sein will, so wie seinen besten Freund und treuen Begleiter. Diana Menschig hat sich aber einige neue Elemente überlegt, die das Buch sehr lesenswert machen. Zum einen wird ein großer Teil der Geschichte aus Toms Perspektive erzählt. Im ersten Drittel wird der Leser nur hier und da mit dem Genre konfrontiert. Es gibt hin und wieder Kapitel, die aus Laryons Sicht erzählt werden und in der Buchwelt spielen. Noch interessanter ist aber das gesamte Konzept des Buches, das den Leser vor ein verworrenes Netz aus Figuren und Schreibern stellt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, damit die Überraschungsmomente erhalten bleiben. Außerdem würde ich jedem Leser raten, nicht auf die letzten Seiten des Buches zu sehen, da es dort einige Hinweise gibt, die die Spannung nehmen.

Laryon ist außerdem ein gelungener Charakter. Auch hier weicht die Autorin ein wenig von den vielen Fantasyvorlagen ab. Anders als Tom ihn in den Büchern beschrieben hat, ist auf aufbrausend und manchmal sogar jähzornig. Die Beziehung zwischen Figur und Autor zeichnet das Buch wunderbar nach.

Mir hat das Buch gut gefallen und ich kann es allen empfehlen, die gerne mal einen etwas anderen Fantasyroman lesen wollen.

Erschienen bei: Knaur

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Autorin / Autor: missmarie - Stand: 31. Januar 2013