Hiebe aus Liebe

Studie: Mitgefühl kann auch aggressiv machen

Bild: LizzyNet

Empathie - also die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen - wird allgemein mit Warmherzigkeit und Friedfertigkeit in Verbindung gebracht und als grundsätzlich positiver Wesenzug betrachtet. Dabei kann Empathie auch aggressiv machen - etwa wenn die Aggression eine Person schützen soll, mit der man mitfühlt.

WissenschaftlerInnen haben den Zusammenhang zwischen Empathie und Aggression nun auf einer neurohormonellen Basis in verschiedenen kleinen Studien unter die Lupe genommen. So wurden Testpersonen unter anderem in Fragebögen dazu befragt, wie oft und warum sie in den letzten 12 Monaten mit jemand besonders mitgefühlt hatten. Zudem mussten sie sich in verschiedene Situationen hineinversetzen, in denen eine fiktive Person mal besonders belastende, mal weniger belastende finanzielle Schwierigkeiten hat. Das Szenario: Diese Person könnte in einem Spiel gewinnen, wenn die Testpersonen bereit wären, manipulativ einzugreifen - etwa indem sie dem Gegenspieler eine besonders scharfe Soße unterjubelten, die ihn an der gelungenen Ausführung des Spiel hindern könnte.

Die Testpersonen sollten angeben, wie sie sich verhalten würden, außerdem wurden Speichelproben genommen, um die Konzentration der Hormone Oxytocin (das sogenannte "Kuschelhormon") und Vasopressin festzustellen. Vasopressin wurde vor allem in der Tierwelt näher untersucht, wo es mit aggressivem Verhalten bei der Verteidigung von Partnern und Nachwuchs in Zusammenhang gebracht wurde.

Heraus kam, dass Personen, die oft mit anderen mitfühlen, besonders geneigt waren, eine ihnen unbekannte Person mit scharfer Soße zu quälen, wenn sie damit einer anderen unbekannten, aber leidgeplagten Person helfen konnten. Das funktionierte aber nur, wenn diese Person in der Geschichte auch wirklich litt und hilfsbedürftig war.

Aggressiv aus Nächstenliebe
Es bedarf also nicht unbedingt einer Provokation oder Frustration, um aus Menschen aggressive Impulse herauszukitzeln. Manchmal werden Menschen auch einfach aus purer Nächstenliebe aggressiv.

Die hormonellen Befunde bestätigten die Ergebnisse ansatzweise: Das Hormon Vasopressin könnte eine Rolle spielen sowohl bei der Entwicklung von Mitgefühl für Schutzbedürftige als auch für Aggression gegenüber denen, die diese bedrohen. Ein bestimmter Oxytocin-Rezeptor scheint außerdem ebenfalls eine Rolle zu spielen.

Wenn ihr also besonders einfühlsame Menschen in eurem Umfeld habt, dann unterschätzt sie nicht. Da sie im Zweifelsfall richtig sauer werden können, solltet ihr euch in jedem Fall hüten, ihre Schützlinge schief anzugucken oder euch ungerecht gegenüber Dritten zu verhalten.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlicht.

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Autorin / Autor: Redaktion / pressemitteilung (eurekalert.org) - Stand: 30. September 2014