Mitgefühlter Stress

Forschung: Stress hat ein enormes Ansteckungspotential

Wirst du auch ganz nervös, wenn deine beste Freundin aufgeregt hin und her läuft und kaum noch still sitzen kann? Kein Wunder! Stress steckt anscheinend tatsächlich an. Es kann ausreichen, eine andere Person in einer stressigen Situation zu beobachten, damit der eigene Körper das Stresshormon Kortisol ausschüttet. Zu diesen Ergebnissen kommen WissenschaftlerInnen vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und der Technischen Universität Dresden.

StudienteilnehmerInnen im Stresstest
Beim Stresstest mussten die Testpersonen mit schwierigen Kopfrechenaufgaben und Vorstellungsgesprächen kämpfen, während zwei vermeintliche Verhaltensanalysten ihre Leistung beurteilten. Nur fünf Prozent der direkt gestressten StudienteilneherInnen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Bei allen maßen die ForscherInnen eine deutlich erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol.

Auch viele derjenigen, die diese Situation beobachteten, ließen sich messbar von dem Stress anstecken. Der Effekt war besonders stark, wenn Beobachter und gestresste Person eine partnerschaftliche Beziehung verband: Auf 40 Prozent der Beobachter färbte der Stress des Partners ab. Aber auch bei völlig fremden Menschen sprang der Stress immerhin noch auf zehn Prozent der Beobachter über. Emotionale Verbundenheit ist demzufolge keine Voraussetzung für empathischen Stress.

Konnten die Beobachter das Geschehen direkt verfolgen, reagierten 30 Prozent gestresst. Aber selbst wenn der Stresstest nur auf dem Bildschirm flimmerte, reichte das aus, um bei 24 Prozent der Beobachter die Kortisol-Spiegel in die Höhe zu treiben. „Das bedeutet, dass selbst Fernsehsendungen, die mich mit dem Leid anderer konfrontieren, den Stress auf mich übertragen können“, sagt Veronika Engert, eine der Erstautorinnen der Studie. „Stress hat ein enormes Ansteckungspotential.“

Von potenziell schädlichen Konsequenzen empathischen (mitgefühlten) Stresses sind daher besonders Menschen in Helferberufen oder Angehörige dauergestresster Personen betroffen. Wer ständig direkt mit dem Leid und Stress anderer konfrontiert wird, der hat ein erhöhtes Risiko auch selbst darunter zu leiden, meinen die ForscherInnen.

Männer reagierten genauso empathisch auf Stress wie Frauen
Die Ergebnisse räumen aber auch mit einem "Vorurteil" auf: Männer und Frauen reagierten gleich häufig mit empathischem Stress. „Auf Fragebögen schätzen Frauen sich als empathischer ein, als Männer dies tun. Bisher konnte das jedoch noch in keinem Experiment, das objektive biologische Marker verwendete, nachgewiesen werden", sagt Engert.

Zukünftige Studien sollen zeigen, wie genau der Stress übertragen wird und was getan werden kann, um den negativen Einfluss von Stress auf die Gesellschaft zu verringern.

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Autorin / Autor: Redaktion / PM - Stand: 22. April 2014