Feldpost für Pauline

Autorin: Maja Nielsen

Die Autorin Maja Nielsen hat Söhne. Und man glaubt nach dem Lesen ihres Buches gerne, das diese Abenteurer sind. Und wenn man sich ihre anderen Buchtitel- und themen durchliest, ahnt man, woher ihre Söhne das haben könnten. Laut Wikipedia haben eben diese Söhne sie motiviert, Abenteuergeschichten zu schreiben.

Trotzdem:
Auch wenn diese Einstellung traurig ist, klingt für mich anfangs der Inhalt der Geschichte eher nicht reizvoll, denn ich befürchte eine Verkitschung des ernsten Thema Krieges und irgendwie kommt mir die Geschichte, vielleicht wegen des berühmten Hollywoodfilmes mit Amanda Seyfried und Channing Tatumn, zu bekannt vor. Ich beginne es eigentlich nur zu lesen, weil es das kürzeste Buch von allen möglichen ist. Und weil mich schon im ersten Satz die leichte Sprache fasziniert, mit der die später dramatische, aber im geschichtlichen Sinne nie überspitze Situation dargestellt wird.

Zwar ist die Liebesgeschichte manchmal unvorstellbar unmöglich intensiv, doch anderseits konnte man sich zu der Zeit sicher auch nicht vorstellen, dass Paare sich sogenannte Sms mit Herzen schicken, wenn sie sich vermissen. Stattdessen müssen sie geographische Grenzen wirklich physisch  überwinden oder zum Füller greifen, um ähnliche Briefe zu schreiben, wie es Pauline und Wilhelm, das Paar, welches nachträglich berühmt wird und um welches sich die Erzählung herumspinnt, taten. Nicht mit i love you, hdl oder xoxo, sondern mit „Ewig dein“ oder „In innigster Liebe“.

Schlussendlich lese ich das Buch in einer Stunde durch und fühle mich danach irgendwie leichter, und etwas schuldig, die meisten Fakten und Schicksale aus dem Geschichtsunterricht schon wieder vergessen zu haben. Vielleicht sollte man mal lieber einen solchen Roman an die Schüler weitergeben. Damit haben sie den Krieg vielleicht nicht verstanden, aber wer kann- und möchte-  das schon? Jedenfalls wäre man weniger gelangweilt, und wesentlich mitfühlender mit den Betroffenen der Zeit vor uns.

Das Schöne an dieser Geschichte ist nämlich, dass sie keineswegs langatmig ist. Die Naivität der Protagonistin wird ausgeglichen mit den schockierenden Schilderungen der Zustände des Ersten Weltkrieges. Klar, hat man schon so oft gehört, doch in diesem Fall lassen all diese erneuten Fakten Gänsehaut zu, gerade weil die Geschichten zwar immer noch unbegreiflich, trotzdem nicht zu gekünstelt wirken, wenn man sich vorstellt, bei diesem Roman handele es sich um einen Zusammenschnitt mehrerer Erzählungen aus den Kriegstagen, als um ein großes ganzen Schicksal zweier Personen. Einziger Abzug !

Dieser Roman hat etwas Autobiographisches, ist aber unterhaltsam auch für jüngere Leserinnen: denn es ist trotz schwieriger Themen mit Leichtigkeit und Fantasie geschrieben!

Erschienen bei: Gerstenberg

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Autorin / Autor: genna - Stand: 2. Juli 2013