Es wird keine Helden geben

Autor: Anna Seidl

Es wird keine Helden geben

Ein Schultag wie jeder andere. Es war ein ganz normaler Schultag. Und doch hat er Miriams Leben für immer verändert. Ein Mitschüler schießt um sich und versetzt die Schule in Todesangst. Miriam und ihre Freundin schaffen es sich zu verstecken. Doch nicht alle haben so ein Glück. Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen und überlebt nicht. Für Miriam wird damit jeder Tag zur Hölle und sie findet nicht mehr zurück in ihr früheres Leben... 

Meine Meinung:
"Es wird keine Helden geben" spricht ein sehr ernstes und auch leider ein sehr aktuelles Thema an. Besonders Schüler plagen nach lokalen Beispielen wie dem Amoklauf von Winnenden große Ängste. Das Buch beginnt auch direkt mit dem alles verändernden Amoklauf von Matias Staudt. Miriam verliert in wenigen Minuten einen geliebten Menschen. Für sie scheint die Welt danach keinen Sinn mehr zu ergeben. Da man in das Geschehen förmlich hinein geworfen wird, wirkt die ganze Handlung authentischer. Man ist genauso angespannt wie die Charaktere und fühlt ihre Angst regelrecht selber.

Nach dem Amoklauf scheint ihre Welt nicht mehr die selbe zu sein. Der Leser nimmt die Dinge zwar hauptsächlich aus Miriams Sicht wahr, jedoch erhält man indirekt auch Informationen zu den Schicksalen der anderen. So erkennt man, dass Miriam keineswegs die einzige ist, die mit der Situation vollkommen überfordert ist.
Miriam scheint total widersprüchlich zu sein, denn ich hatte oft Probleme, ihre Gedanken zu verstehen und ihr zu folgen. Doch auch das wirkte sehr authentisch, denn ich kann mir vorstellen, dass man nach diesem schlimmen Erlebnis keinen klaren Gedanken mehr fassen kann und die Welt total aus den Fugen gerät.

Mit Anna Seidls Schreibstil konnte ich mich nicht ganz so anfreunden. Er war meiner Meinung nach zu ausschweifend. Die Handlung wurde dadurch sehr träge, und man kam mit dem Lesen nur mäßig voran.

Die Handlung spielte sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit. Viele von Miriams Gedanken wurden durch Rückblenden näher erklärt, und auch Tobi hat man durch diese Rückblenden besser kennengelernt.

Miriam fühlt sich für den Amoklauf schuldig, da sie genauso wie Tobi und seine Freunde den Amokläufer Matias gemobbt und ihn ausgeschlossen hat. Sie stellt sich immer wieder die Frage, ob sie es hätte verhindern können. Und so stellt man sich als Leser auch die Frage: Hätte sie es verhindern können? Kann Miriam etwas für Matias Verhalten? Verhalte ich mich selber vielleicht auch unfair gegenüber einem Mitschüler oder einem Kollegen? Diese Fragen bringen einen stark zum Nachdenken, und man ist plötzlich ganz betrübt von den Geschehnissen auf dieser Welt. Wieso sehen manche unserer Mitmenschen einen Amoklauf als einzigen Ausweg? Und welche Rolle spielen wir?
Das sind Fragen, die man sich ummittelbar nach der letzten Seite stellt. Und meiner Meinung nach hat das Buch damit sein Ziel voll und ganz erreicht. Es soll zum Nachdenken anregen, denn manchmal denken wir nicht über unser Handeln nach und sind uns dessen Folgen gar nicht bewusst.

Fazit
Anna Seidls Debütroman spricht ein sehr berührendes und aktuelles Thema an und schenkt dem Leser einen sehr authentischen Einblick in die Welt eines Amoklaufopfers. Meiner Meinung nach ist ihr der Start sehr gut gelungen. Der einzige negative Aspekt ist der noch etwas unsichere Schreibstil, der sich mit der Erfahrung aber sicherlich legen wird.

Erschienen bei Oetinger

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Autorin / Autor: kleeblatt96 - Stand: 4. März 2014