Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen

Autorin: Kirsten Boie
Einband und Vignetten von Regina Kehn

Poetisch, erschütternd und berührend: Kirsten Boies Afrika. Lungiles kleine Schwester Jabu braucht neue Schuhe, damit sie weiter die Schule besuchen darf. Da niemand Lungiles geflochtene Matten kaufen will, verkauft sie ihren Körper. Thulani spricht manchmal nachts mit seiner Mutter, die neben der Hütte begraben ist. Er könnte eigentlich zur Schule gehen, da Waisen kein Schulgeld bezahlen müssen. Aber niemand hilft ihm, den Totenschein zu besorgen…
Kirsten Boie erzählt vier Geschichten über vier Kinder aus unterschiedlichen Regionen des Königreichs Swasiland mit einer Gemeinsamkeit: Sie haben mindestens ein Elternteil, meistens beide an die Krankheit AIDS verloren und mussten daher schnell erwachsen werden…

Das relativ dünne Buch widmet sich nach und nach den Geschichten über die vier Kinder, deren Großmütter und ihren Geschwistern. Dabei sind die einzelnen Kapitel durch die geringe Seitenzahl ebenfalls sehr kurz und lassen sich daher sehr schnell lesen. Jedes Kapitel wird begleitet von Illustrationen von Regina Kehn, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern dem Buch eine weitere Tiefe verleihen, sodass die Lektüre im Gesamten sehr kurzweilig war.

Auch sprachlich kann das Buch überzeugen. Die Sätze sind kurz und einfach gehalten und besitzen dennoch Charakter und zeigen so den Sprachstil der einzelnen Erzähler, die ja alle sehr jung sind. Durch die Verwendung von einigen Wörtern und Ausdrücken auf siSwati, die im Anhang erläutert werden, gewinnt die Erzählung noch mal an Authentizität.

Inhaltlich konnte mich das Werk sehr berühren. All diese Kinder sind schon so erwachsen und das nur aus einem Grund: Sie hatten keine andere Wahl. Ohne ihre Eltern – und teilweise auch ohne Großeltern, die helfen konnten - mussten sie die Rolle des Erziehers und Ernährers für ihre jüngeren Geschwister übernehmen und dabei manchmal aus Verzweiflung zu drastischen Mitteln greifen. Jede Geschichte zeigt eine kurze Episode aus den schweren Leben der Kinder auf und dadurch, dass es weder Anfang noch Ende gibt, hat man als Leser das Gefühl man würde sie auf einer Reise besuchen.

Der Beschreibung „poetisch, erschütternd und berührend“ kann ich von ganzem Herzen zustimmen und  dabei die Autorin zitieren: „Trauriger als die Realität ist es nicht“…


Erschienen bei Oetinger

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