Ein blutiges Schauspiel in der Kanalisation

Wie menstruierst du umweltfreundlich?

Umfrage

Wo entsorgst du benutzte Tampons, Binden und Co.?

Im Klo. Einmal gespült, schwupps- verschwunden
Im Mülleimer, der neben der Toilette steht. Wenn es keinen gibt, dann landet der Tampon auch schon mal in der Toilette
Ich benutze wiederverwendbare Periodenprodukte und muss daher nichts entsorgen
Meine Tampons und Binden landen immer im Mülleimer. Wenn es keinen direkt neben der Toilette gibt, bringe ich einen Tampon auch eingewickelt zum nächsten Restmüll
 

Dass Frauen und Mädchen während ihrer Menstruation darum bemüht sind, dass bloß kein Blut an die Kleidung gelangt, ist kein neues Phänomen. Ob Stoffreste in der Unterhose oder Papyrus zwischen den Beinen, im Laufe der Zeit wurden die verschiedensten Materialien genutzt, um den Blutfluss zu stoppen. Einmalbinden aus Stroh und Periodengürtel haben sich dabei (zum Glück!) nicht dauerhaft durchgesetzt. Sich Monat für Monat in einen unbequemen Gürtel zu zwängen und mithilfe von Sicherheitsnadeln Watte am Platz zwischen den Schenkeln zu halten, klingt aus heutiger Sicht und nach Erfahrungen mit luftig leichten Slipeinlagen und Tampons nicht sonderlich verlockend.
Binden und Tampons können also getrost als Revolution bezeichnet werden. Schließlich ermöglichen sie es Mädchen, auch während ihrer Periode am Sportunterricht teilzunehmen oder jauchzend in den See zu springen, statt sich aus Sorge vor den roten Tropfen unter einem dicken Strandtuch zu vergraben.
Dass es an dieser Stelle mit den revolutionären Einfällen gar nicht aufhören muss, zeigen einige Entwickler_innen, die immer mehr alternative Menstruationsprodukte auf den Markt bringen. Einige davon gibt es schon länger, andere haben einen ganzen neuen Touch.

Wieso, weshalb, warum?
Falls du dir jetzt die Frage stellst, warum es sich überhaupt lohnt, Alternativen zu Tampon und Co. mal genauer unter die Lupe zu nehmen, kannst du der Seite Periods for Future: Wasser schützen- Mistkübel nutzen mal einen Besuch abstatten. Die Initiative wurde von „generation blue“ des österreichischen Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und der Jugendplattform READY FOR RED ins Leben gerufen. Sie ruft dazu auf, Tampons und Binden, aber auch andere Hygieneartikel wie Feuchttücher oder Kondome nicht einfach im Klo zu versenken, sondern sie in einem Mülleimer zu entsorgen.

Wenn du bei dieser Aussage nur gelangweilt mit den Schultern zuckst, weil du das eh schon immer so machst, dann kannst du dir auf die Schulter klopfen. Eine Umfrage der beiden Plattformen zeigt nämlich, dass vier von fünf Mädchen ihren Tampon nach der Benutzung ins Klo werfen! Dadurch verstopft mit Pech nicht nur das Klo, sondern auch die Kanalisation und das örtliche Klärwerk. Denn leider lösen sich Binden und Tampons auf ihrem Weg durch die Kanalisation nicht in Luft oder Wasser auf. Es lösen sich dafür aber kleine Partikel, die Klärwerke nicht aus dem Wasser filtern können und die dann wieder in unserem Lebensmittelkreislauf landen. Das können Viskosepartikel der Tampons sein, aber auch kleine Plastikteilchen von Binden oder der Tamponverpackung. Was sich eigentlich von Tampons lösen kann und was genau eigentlich in Hygieneprodukten steckt, ist leider noch sehr unzureichend erforscht und muss teilweise noch nicht einmal auf der Verpackung deklariert werden. Die meisten Tampons werden aber aus Viskose hergestellt, einem baumwollähnlichen Stoff, der chemisch aus Cellulose produziert wird. Chemisch hergestellt, das klingt jetzt erstmal nach nichts, was in die Nähe von Schleimhäuten sollte, aber immerhin: während die Zeitschrift Ökotest 2007 noch in vielen Tampons möglicherweise krebserregende Stoffe feststellen konnte, wurden 2018 nur noch in einem Tampon Schadstoffe nachgewiesen. Und inzwischen findet man in den meisten Drogeriemärkten auch jede Menge Bio-Tampons, die aus Bio-Baumwolle hergestellt werden und teilweise sogar auf die Plastikverpackung verzichten und sich stattdessen mit Papier umhüllen.

Der Kampf gegen die Watteberge
Doch auch wenn du schon vorbildlich handelst und alle deine Menstruationsprodukte ordnungsgemäß im Mülleimer entsorgst, bleibt da noch die riesige Menge an weggeworfenen Tampons und Binden. Eine Frau, die in einer Industrienation lebt, verbraucht in ihrem Leben durchschnittlich 12.675 Binden und Tampons, was einem Gewicht von 152 Kilo entspricht (Quelle: BUND Plastikatlas 2019). 
Wer diesen Müllbergen Einhalt gebieten will, der wird heute schon in der Drogerie fündig. Neben plastikfreien Biovarianten von Tampons, Binden und Slipeinlagen gibt es inzwischen viele alternative Menstruationsprodukte, die wiederverwendet werden können. Hier stellen wir dir einige dieser neueren Entwicklungen vor. Keine Sorge, keines der Produkte hat mit einem Gürtel zu tun, den du unter die Kleidung ziehen sollst. ;-)
Und, ganz wichtig, mit den aufgezeigten Alternativen wollen wir dich zwar zum Nachdenken anregen und bei der einen oder anderen vielleicht auch den Entdeckerinnengeist wecken, dennoch gilt vor allem anderen: Es ist dein Körper, und du musst entscheiden, womit du dich wohlfühlst.

Nachhaltige Menstruationsprodukte

Menstruationstassen
Alternative zu Wegwerfprodukten
Bild (c) kulmine

Auswaschbare Slipeinlagen und Binden
Alternative zu Wegwerfprodukten
Bild: (c) Bloodmilla

Menstruationsunterwäsche
Alternative zu Wegwerfprodukten
Bild: (c) ooshi

Menstruationsschwämmchen
Alternative zu Wegwerfprodukten
Bild (c) kulmine

Free Bleeding
Alternative zu Wegwerfprodukten

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Autorin / Autor: Karla Groth - Stand: 14. November 2019