Easygoing

Autorin: Jenny Jägerfeld

Ein Cover in Neongrün mit neongelber Schrift fällt sofort ins Auge. Dass es sich bei dieser Farbwahl für das Cover des Jugendromans „Easy Going“ der Schwedin Jenny Jägerfeld aber um mehr als einen reinen Blickfang handelt, wird bereits auf den ersten Seiten mehr als deutlich. Joanna, die Protagonistin des Romans, hat ADHS, eine ständige, lärmende Freakshow in ihrem Kopf, wie sie es sagt, und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, ist ihr Vater schwerstens depressiv und auch ihre Mutter eine gescheiterte Autorin. Die es nicht fertig bringt, sich einen Job zu suchen oder Arbeitslosengeld zu beantragen. Arm sein, na gut, aber abgesehen davon, dass Joanna deswegen in längst totgetragenen Klamotten herumläuft und kaum anständige Mahlzeiten bekommt, ist das wirklich schlimme daran, dass dadurch schlicht das Geld für ihr Ritalin fehlt – das einzige, was die Freakshow im Zaum hält. Logisch nachvollziehbar also, dass sie irgendwie selbst an Geld kommen muss und Ideen hat sie ausreichend und kreative, etwa das Verkaufen abgelaufener Kondome, aber wie das so ist mit diesen Ideen, führt das Joanna nur in noch mehr Schwierigkeiten und dann sind da natürlich noch ihre Freunde, „rich kids“, die sich eigentlich alles leisten können und Joanna mehr als einmal gehörig auf die Nerven gehen mit ihrem Gejammer und Geheule ...

Eigentlich mag ich gar nicht mehr zum Inhalt sagen, denn „Easy Going“ ist rasant und schnell und verwickelt – im Prinzip die exakte Untermalung zu Joannas Beschreibung ihrer Krankheit.

Aber genau deswegen ist es ein Buch, das ich unbedingt empfehlen möchte. Es reißt Themen an, die mehr Menschen betreffen als man glauben mag. Armut, ADHS, gesellschaftliche Missstände. Es ist lebensecht und emotional, denn man erlebt Joannas Gefühlsleben hautnah mit, trudelt von Wut zu Verzweiflung zu Freude zu ... Liebe?

Mal hat man das Gefühl, alles läuft kreuz und quer, dann wieder schnurgerade und plötzlich ist wieder alles Kopf. Kurz gesagt, Jenny Jägerfeld hat ein unmögliches Buch geschrieben. Ein einzigartiges Werk, das nicht nur dadurch besticht, dass es das jugendliche Gefühlschaos aufs Papier bannt, sondern eben auch derart einfühlsam und nachvollziehbar mit dem Thema ADHS umgeht sowie Depressionen und Armut. Sie schreibt ungeschönt, wo es nichts zu beschönigen gibt, und malerisch, wo es malerisch sein muss.

Mich hat es auf jeden Fall überzeugt – jeder, den diese Thematiken interessieren, sollte zumindest ein Blick hinein werfen. Und sich selbst von diesem Meisterwerk überzeugen lassen.

Erschienen bei Hanser

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 24. Oktober 2016
 
 
 

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