Der eiserne Wald

Autor: Chris Howard

Banyan ist Baummeister, in einer zukünftigen Welt, in der fast alle Pflanzen und Tiere ausgestorben sind. Sein Job ist es, möglichst realistische Nachbildungen der ausgestorbenen Bäume zu bauen. Bei einem seiner Aufträge trifft er auf eine Frau, auf deren Körper ein Tattoo zu finden ist, welches angeblich den Weg zu den letzten Bäumen der Erde verzeichnet.
Gemeinsam mit einigen anderen, die die Hoffnung auf eine Existenz an lebende Bäume noch nicht aufgegeben haben, macht er sich auf die Suche danach. Aber Banyan sucht nicht nur die Bäume – er sucht auch nach seinem totgeglaubten Vater, denn ein Foto, das seinen Vater zeigt, gibt ihm Hoffnung darauf, dass er doch noch lebt.

Meine Meinung zur Hauptfigur Banyan ist etwas gespalten. Einerseits ist es gut, dass er so realistisch dargestellt wird und eigentlich in jede Katastrophe gerät, die nur passieren kann. Er stolpert von einem Zufall in den nächsten und erreicht eigentlich nur durch die Taten und Hilfe seiner Mitreisenden sein Ziel. Dem Buch hätte vielleicht ein Hauptcharakter gut getan, der zumindest ein klein wenig mehr Heldenhaftigkeit bietet und der für seine Mitreisenden nicht immer nur ein lästiges Anhängsel ist, sondern die Dinge auch mal selbst in die Hand nimmt.
Die Reise Banyans ist eigentlich eine Reihe aus Katastrophen und der Katastrophe, in der er sich gerade befindet, entkommt er meistens dann durch eine noch schlimmere Katastrophe. Diese Reihe von furchtbaren Ereignissen zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte und immer wenn man glaubt, es kommt nicht schlimmer, dann kommt es doch schlimmer.

Die Atmosphäre, die sich durch den ganzen Roman zieht ist, ist durchgehend dreckig, dunkel und deprimierend, aber auch absolut spannend. Während dem Lesen fühlt man sich überwiegend unbehaglich und angespannt, weil man nicht weiß, in welcher Katastrophe Banyan sich als nächstes wiederfindet. Der Autor schont seine Figuren und auch die Nerven des Lesers nicht im Geringsten.

Bevor man dieses Buch also liest, sollte man sich die Frage stellen, ob man sich bereit dazu fühlt, all den menschlichen Abgründen gegenüberzustehen, die immer dann zum Vorschein kommen, wenn die Lebensumstände schwieriger werden und jeder nur auf sich selbst achtet. Die Figuren im Buch kommen schwach, verlogen und moralisch fragwürdig daher und man bekommt das Bild einer hoffnungslosen und grausamen Welt gezeigt, welche man sich vielleicht doch etwas zu gut vorstellen kann.

Fazit ist also, dass das Buch eine sehr gute Dystopie ist, aber kein Buch zur einfachen Unterhaltung. Es ist einfach zu deprimierend und zu vollgepackt mit Gewalt, um wirklich unterhaltend zu sein.

Erschienen bei: Droemer Knaur

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Autorin / Autor: volbeatfan - Stand: 13. Januar 2014