Das Jahr der Lügen

Autor: Marijn Backer

Das Jahr der Lügen ist für die vierzehnjährige Antonia ein Jahr in dem alles schief läuft. Ihr Vater verlässt ihre Familie um seiner Affäre nach Kreta nach zu reisen und dort wie ein Hippie am Strand zu hausen und ihre Geschwister Max und Iris kommen mit dem Verlust viel besser klar und verstehen gar nicht warum sich „Toni“ immer mehr zurück zieht. Die gesamte Familie ist plötzlich gegen ihren Vater und alle reden ihn schlecht. Als er seine Kinder nach Kreta einlädt, folgen nur Toni und Iris seiner Einladung und verbringen eine kurze Zeit mit ihm am Strand. Während die sensible Toni darauf hofft, wieder eine engere Beziehung zu ihrem Vater aufbauen zu können, ist der Urlaub für die große Schwester Iris eher ein Abschied – und das lässt sie ihre kleine Schwester auch deutlich spüren.
Nach ihrer Ankunft in der Heimat ist Toni nicht mehr die Selbe. Sie weigert sich zur Schule zu gehen, flüchtet sich in die Traumwelt Nangijala des Buches „Die Brüder Löwenherz“ und schottet sich ab von der Realität. Sie merkt kaum die Abneigung ihres großen Bruders Max gegenüber Walter, seinem Onkel auf mütterlicher Seite, stetig wächst und wird so von der großen Lüge in die sie Max hinein zieht völlig überrascht. Mit jedem Tag wächst diese gigantische Lüge und wird immer realer, bis Toni selbst nicht mehr weiß ob sie nicht doch der Wahrheit entspricht.

„Das Jahr der Lügen“ ist das gelungene Debüt von dem Autor „Marijn Backer“. Er erzählt auf 238 Seiten die Geschichte eines Mädchens, das durch die Trennung ihrer Eltern depressiv wird und sich in eine Lügenwelt verstrickt aus der sie allein nicht mehr raus kommt. Backer schreibt in kurzen und nüchternen Sätzen, auf der einen Seite versteht man dadurch nicht immer, warum Toni sich so abkapselt und sich manchmal auch regelrecht kindisch benimmt, aber auf der anderen Seite spiegelt die Schreibweise des Autors auch sehr gut die Gefühlslage der Vierzehnjährigen wieder. Diese weiß selbst nicht so genau was mit ihr los ist und warum sie nicht einfach aufstehen und zur Schule gehen kann wie die anderen. Immer mehr Jugendliche leiden in der Pubertät an Depressionen und ich finde es gut, dass sich „Das Jahr der Lügen“ mit so einem wichtigen Thema beschäftigt. Das Gefühl der Macht- und Kraftlosigkeit, das die meisten depressiven Menschen haben, wird dem Leser sehr gut vermittelt.

Backers Debüt gibt einen guten Einblick in die Emotionswelt eines Jugendlichen, der nicht nur mit der Trennung ihrer Eltern zu kämpfen hat, sondern auch mit Depressionen und einem verstrickten Lügennetz. Es zeigt welche fatalen Folgen eine kleine Lüge haben kann und dass auch Schweigen eine Lüge sein kann.

Das Buch ist nicht gerade ein leicht zu lesendes Schmökerbuch, was man mit ins Schwimmbad nimmt, sondern eher ein ernstes Buch, das zum Nachdenken anregt und den Leser auch nach der letzten Seite beschäftigt. Ein ideenreiches und fantasievolles Buch, das vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache ist, aber für die Leute die Backers Schreibstil mögen, genau das Richtige.

Erschienen bei Verlag Urachhaus

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Autorin / Autor: anna95 - Stand: 26. Mai 2014