All die schönen Dinge

Autorin: Ruth Olshan
ab 13 Jahren

„All die schönen Dinge“, Wort für Wort, wie auf einen kleinen Zettel geschrieben und an die Wand gepinnt, nimmt der Titel die ganze Fläche ein. Von der Aufmachung her kann ich mich nicht entscheiden, mit welcher Erwartung ich an das Buch herangehen sollte – ist es jetzt eher fröhlicher, was der Titel selbst vermuten lässt, oder doch eher nicht, schließlich macht das Cover auch einen recht nostalgischen Eindruck.
Auch der Klappentext lässt auf letzteres schließen, so wird man informiert, dass die Hauptfigur, Tammie, buchstäblich eine Zeitbombe im Kopf hat, ein Aneurysma, ein Blutgerinnsel, das in praktisch jeder Situation, die zu verändertem Blutfluss im Gehirn führt, platzen kann. „Oder eben auch nicht.“
Beide Erwartungshaltungen im Kopf, sowohl die positive als auch die negative, mache ich mich also daran, den Roman zu lesen. Und werde doch tatsächlich trotzdem überrascht.
Ruth Olshan schafft ein liebenswertes Jugendbuch, das alle Gefühle zulässt, ein Buch, das entdeckt werden will. Es ist eine Geschichte mit lebendigen Charakteren, eine, die Mut macht, das Leben neu beleuchtet und vom Leben erzählt, im vollen Bewusstsein über den Tod.
Tammie ist kein gewöhnlicher Teenager, nicht nur, weil ihre Lieblingseissorte Pistazie statt Schoko oder Vanille ist, und auch nicht, weil sie in ihrer Freizeit auf dem Friedhof nach Grabsprüchen sucht, nach einem für sich selber sucht. Was Tammie wirklich von ihren Mitschülern unterscheidet, ist ihr Aneurysma, das jederzeit platzen kann und dann wäre sie, von jetzt auf gleich, tot. Das Risiko minimieren heißt es also, im Klartext, kein Sport, kein Alkohol, kein Sex. Wobei man für letzteres ja ohnehin einen Freund braucht. Den sie nicht hat. Vielleicht will sie ja auch gar keinen, denn das Risiko minimieren heißt für Tammie selbst, möglichst wenig Leuten wichtig zu sein, damit möglichst wenig Menschen von ihrem Tod getroffen würden.
Bis sie Fynn trifft. Fynn, mit seinem schiefen Zahn, der auf dem Friedhof arbeitet und einen alten und eigensinnigen Hund namens Okay hat.
Mit Fynn ist es quasi Liebe auf den ersten Blick. Und plötzlich ist in Tammies Leben nichts mehr wie es war. Eine Achterbahn aus Gefühl und dem Konflikt zwischen Leben und Tod, das alles in ein paar wenigen Tagen, auf knappen 300 Seiten.

Als Leser begleitet man Tammie und Fynn, wie sie sich, den Tod, aber vor allem, wie sie das Leben kennen lernen. Man begleitet sie nicht, wie in so vielen Jugendbüchern, nur dabei wie sie erwachsen(er) werden, sondern dabei, wie sie lernen, mit der grundgegebenen Tatsache der Sterblichkeit umzugehen – und trotz allem zu leben.
Mich hat „All die schönen Dinge“ an vielen Stellen nachdenklich und traurig gestimmt, gleichzeitig aber auch fasziniert und zum Schmunzeln gebracht. Die Tiefgründigkeit gepaart mit Humor, Zweifel, die man weg lacht, das ist eine ganz besondere Mischung, die man sicher nicht nur mal so für zwischendurch hat. An diesem Buch hat man noch länger zu denken, für kleine Philosophen und auch für schwärmerische Romantiker kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen, wer jedoch eher leichte Lektüre für den nächsten Strandurlaub sucht, ist hier allerdings an der falschen Adresse.
So oder so, man sollte sich Ruth Olshans Roman wirklich im Kopf behalten, denn er erzählt nun mal von "All den schönen Dingen" ;).


Erschienen bei Oetinger Verlag

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    Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 15. März 2016
     
     
     

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