Ingenieurin für Umweltschutz - Teil 3

"Umweltbildung ist auf Dauer ein ganz hartes Pflaster"

Schnuppern für Jugendliche
Das FÖJ finde ich eine gute Möglichkeit, da mal reinzuschnuppern, auch um Arbeitsalltag mitzukriegen. Ich hatte auch keine Vorstellung, bis ich mal im Stahlwerk war, wie so ein Alltag abläuft, und wer an was arbeitet. Das Praktikum im Studium fand ich eine tolle Einrichtung. Forschung an der Uni - das klingt toll, aber die Arbeit kann manchmal ganz schön öde sein, selbst wenn das Ergebnis spannend ist. Da finde ich es eigentlich toller, als Elektriker Solaranlagen zu bauen. Und das muss man einfach mal kennenlernen, indem man Praktikum macht oder FÖJ. Und ich bin viel auf Tagungen und Messen gefahren. Das fand ich spannend, denn man sieht da viel. Ich habe da auch die meisten Kontakte bekommen.

Umwelttechnik und Ökothemen
Die Umwelttechnik im klassischen Sinne, das ist ja Abwasserreinigung, Abgasreinigung - das finde ich persönlich nicht so spannend. Denn man darf sich eine Illusion nicht machen: Es ist die gleiche Technik wie bei der normalen Technik auch. Das Studium ist genauso strukturiert wie andere technische Studiengänge, hat nur ein positiveres Ziel. Deshalb finden sich auch mehr Frauen in diesen Studiengängen. Aber es ist eben ein sehr technisch ausgerichtetes Studium.

Traumberuf?
Für mich nicht mehr. Als Abschnitt ja. Ich finde Umweltbildung auf Dauer ein ganz hartes Pflaster. Weil man sich selbst immer damit beschäftigt. Viel mehr noch als die Lernenden, denn die können entscheiden, wie weit sie Themen an sich ranlassen. Ich muss da ganz rein, sonst kann ich das nicht vermitteln und Hintergrundwissen geben. Aber ich hab auch momentan Schwierigkeiten, einen Traumberuf zu definieren, weil überall dieses Prinzip Schneller-Kürzer-Schlechter-bezahlt-Arbeiten um sich greift. Wenn man es schafft, in der Ökologie eine Nische zu finden, dann arbeitet man mit Leuten zusammen, die ein positives Ziel haben, die etwas verändern wollen. Da gibt’s auch Projekte, wo es nicht nur ums Billiger und Schneller geht. Ich glaube, da könnte man sich Traumberufe schaffen.

Lebensziel?
Ich würde mir wünschen, in einem Passiv-Häuschen wohnen zu können, das sich hauptsächlich solar versorgt und eine Pflanzenkläranlage hat. Sich beim Wohnen in einen Naturhaushalt einzufügen, dieses Gefühl fände ich sehr schön. Ich weiß da viel drüber, könnte das inhaltlich realisieren, aber dafür braucht man auch Geld. Und der Wunsch zu bauen, stand für mich nicht im Vordergrund, ich suchte die inhaltliche Arbeit, die mir wichtig war und reise gerne. Beides ging bislang noch nicht.

Für das sehr offene Interview auf einem Hinterhof in Berlin-Mitte zwischen Fabriketagen und Werkstätten danken wir Ihnen!

Wer mehr über Ausbildungs- und Berufsorientierungsmöglichkeiten von Mädchen und Frauen im ökotechnischen und handwerklichen Bereich wissen möchte, schaut nach auf der Website von LIFE e.V. – Frauen entwickeln Ökotechnik.

Autorin / Autor: Claudia Summ, Life e.V. - Stand: 15. Oktober 2004