Welcher Job passt zu mir? - Teil 2

Aber mein persönlicher Geheimtipp ist Optimismus! Wer optimistisch ist, kann Rückschläge leichter wegstecken und hat mehr Durchhaltevermögen.

Trotzdem gibt es genügend Menschen mit Brüchen in ihrer Biografie. Leute, die keine Praktika absolviert und ihr Studium nicht in Regelstudienzeit abgeschlossen haben. Was können die tun?
Mit Begeisterung können eine Menge Defizite wettgemacht werden. Das ist für mich das Allerwichtigste. Zur Not könnte ich auch darüber hinwegsehen, dass jemand nicht so gut mit dem Computer umgehen kann.

Mehr Tipps von Uta Glaubitz zur Berufsfindung findest du unter...

Außerdem: Wenn man sich anschaut, wer erfolgreich ist, dann sind das nicht die mit den geraden Lebensläufen. Joschka Fischer - einer der beliebteste Politiker - war früher Taxifahrer! Sabine Christiansen war Stewardess und Stefan Raab Metzger. Ich glaube eher, dass für die meisten Jobs nicht die mit den Musterlebensläufen gebraucht werden, sondern die, die von ihrer Sache überzeugt sind.

Sie schreiben in ihren Büchern, dass Spezialisierung wichtig ist ...
Ja, klar. Wenn ich einen Reiseservice aufmachen wollte, würde ich keinen für alles aufmachen, sondern einen, der nur Freiluftkonzerte in Verona anbietet. Ich würde mir etwas aussuchen, das ich selbst toll finde, und mir auf dem Gebiet einen Namen machen. Nur in der Spezialisierung liegt die Erfolgschance.

Aber das ist für junge Leute extrem schwer! Berufseinsteiger orientieren sich doch möglichst breit, versuchen überall Einblicke zu bekommen - um die Chancen zu vergrößern. Außerdem verfügen sie noch nicht über die Erfahrungen, die sie zu Spezialisten machen!
Das ist auch schwierig. Trotzdem glaube ich nicht, dass es der richtige Weg ist, sich alle Möglichkeiten offen zu halten. In Wirklichkeit ist das eine Entscheidungsschwäche. Spezialisierungen können sich doch auch ändern. Es gibt doch auch genügend Sportreporter, die irgendwann etwas anderes machen wollten. Ich finde es sinnvoll, sich schon während der Ausbildung oder des Studiums genau zu überlegen, was einen an seinem Fach wirklich interessiert und was sich tun lässt, um sich dann genau in diese Richtung zu spezialisieren.

Welche "Soft Skills" sind daneben wichtig?
Ausdauer! Nicht nach dem ersten Rückschlag sofort aufgeben. Sonst klappt gar nichts. Es gibt keine Karriere, in der nicht mal was schief geht. Aber mein persönlicher Geheimtipp ist Optimismus! Wer optimistisch ist, kann Rückschläge leichter wegstecken und hat mehr Durchhaltevermögen.

Sie/er schafft es auch eher, auf andere Leute zuzugehen. Und noch mal: kommunikativ sein. Den Mund aufkriegen. Weiß jemand nicht, wie der Job heißt, in dem beispielsweise Filme geschnitten werden, dann muss sie/er zumindest den Mund aufmachen und nachfragen. Das ist ganz wichtig! Berufliches Glück entscheidet sich nicht an der Abiturnote, sondern daran, ob man fähig ist, mit anderen zu kommunizieren, zu verhandeln oder seine Ideen zu präsentieren. Wer das nicht kann, hat in jedem Job Probleme!

Gibt es Jobs der Zukunft? Jobs, die relevanter sind als andere?
Ich wäre vorsichtig, voraussagen zu wollen, welcher Beruf eine Zukunft hat und welcher nicht, denn kein Mensch weiß genau, wer und was in zehn Jahren gebraucht wird. Vielleicht würde ich nicht unbedingt dazu raten, Kohlebergbau zu lernen, aber mit weiteren Prognosen bin ich zurückhaltend. Vor einigen Jahren haben alle davor gewarnt, Lehrer oder Mediziner zu werden - und jetzt? Jetzt fehlen sie uns. Mein Tipp: nicht zu sehr nach anderen gucken, lieber auf sich selbst konzentrieren!

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von fluter.de, dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Autorin / Autor: Sandra Schmid/fluter - Stand: 3. Dezember 2004