Welcher Job passt zu mir?

"Wenn du im Urlaub lieber Survival-Training machst als zum Beispiel ein Buch zu lesen, dann kann das für dich ein Hinweis für deine Berufswahl sein."

Uta Glaubitz ist Berufsfinderin und hilft anderen, den passenden Job für sich zu entdecken. Sie hat Philosophie studiert und danach als Lektorin in einem Verlag gearbeitet. Vor acht Jahren kam ihr die Idee mit den Berufsfindungskursen.

Ein Gespräch über die Schwierigkeit, seine Interessen ernst zu nehmen, sich auf sich selbst zu konzentrieren und von entscheidenden Fähigkeiten, die im Berufsleben weiterhelfen.

Was ist so schwer daran, den richtigen Beruf für sich zu finden?
Ich glaube, dass die meisten Leute schon in ihrer Kindheit frustriert werden, wenn sie über ihre Berufswünsche sprechen. Sobald sie nämlich ihre Ideen äußern, werden sie gebremst: Ach hör auf, das ist doch kein richtiger Beruf! Da kannst du doch gar nichts verdienen, dafür bist du doch viel zu langsam. Jede/r kennt solche Sätze. Und wenn Menschen erwachsen werden, sprechen sie nicht mehr darüber.

Neunzig Prozent der AbiturientInnen sagen: Ich weiß noch nicht genau, was ich werden will. Sie haben einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Die restlichen zehn Prozent sagen dann das, was sie für gesellschaftlich akzeptiert halten: Ich mache etwas mit Computern oder etwas Kaufmännisches. Das ist aber nicht deren Wunsch! Sie möchten bloß nicht diskutieren. Irgendwann brauchen sie die anderen nicht mehr, das Berufsteufelchen haben sie selbst im Kopf, das sagt: Das wird doch nichts.

Was aber wird gebraucht, um den richtigen Job für sich zu finden?
Zunächst ist es wichtig, dass jede/r seine Berufsentscheidung ernst nimmt. Viele Leute nehmen die Entscheidung ernster, wohin sie in Urlaub fahren wollen, als die, welchen Beruf sie ausüben wollen. Sie besorgen sich Bücher oder surfen im Internet, wenn es aber um den Beruf geht, sind sie völlig blockiert.

Ganz wichtig ist es auch, Verantwortung für diese Entscheidung zu übernehmen. Der Weg der Berufsfindung ist eine Selbstverpflichtung. Das heißt auch, nicht zu schauen, welche Lehrstellen es gibt, sondern sich zu überlegen: Was will ich? Welche Interessen habe ich? An welchen Sachen habe ich Spaß? Was mache ich, wenn ich frei habe? Wenn du im Urlaub lieber Survival-Training machst als zum Beispiel ein Buch zu lesen, dann kann das für dich ein Hinweis für deine Berufswahl sein.

Individualität ist also entscheidend - unsere Talente und Vorlieben. Aber in Stellenanzeigen wird oft nach stereotypen Eigenschaften und Fähigkeiten gesucht. Ist das nicht ein Widerspruch?
Ich würde sofort aufhören, Stellenanzeigen zu lesen. Die interessanten Jobs gibt es nicht über Anzeigen. Weder Stefan Raab noch Fernsehkoch Jamie Oliver haben ihre Jobs so bekommen. Selbst das Arbeitsamt sagt, dass nur ein Drittel aller freien Stellen überhaupt ausgeschrieben werden. Und das ist übertrieben!

Außerdem: Ich habe mit vielen Personalchefs gesprochen und die wissen häufig gar nicht so genau, wie sie ihre Anzeigen formulieren sollen. Sie wollen BewerberInnen, die nett und intelligent sind, mit offenen Augen und Ohren, aber so können sie das nicht schreiben. Das klingt nach Partnerschaftsanzeige. Letztlich finden die Leute eher den richtigen Job, die sich dort, wo sie arbeiten wollen, bekannt machen und dann selbst ein Angebot bekommen.

Welche Fähigkeiten helfen, den Job zu bekommen, den ich will?
Gut Englisch zu sprechen und mit einem Computer umgehen zu können, das ist selbstverständlich. Und jede/r sollte in der Lage sein, mit anderen zu kommunizieren.

Und wenn das jemandem schwer fällt?
Dann soll die Person einen Rhetorik-Kurs machen oder einer Theatergruppe beitreten. Es gibt einfach extrem wenig Berufe, die es erlauben, schüchtern zu sein. Wenn es jemand doch ist, dann muss sie/er etwas daran ändern. Und das lässt sich auch machen.

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Autorin / Autor: Sandra Schmid/fluter - Stand: 3. Dezember 2004