Schluss mit kostenlosen Retouren?

Forscher_innen geben Empfehlungen für den Kampf gegen die massenhaften Rücksendungen von Waren

Passt nicht, gefällt nicht, zurück damit. Kostet ja nichts! Tatsächlich kosten Retouren natürlich eine Menge, vor allem Ressourcen, nur dass wir die als Kund_innen scheinbar nicht aus eigener Tasche bezahlen müssen. Langfristig zahlen wir aber alle für die Folgen. Forscher_innen sind darum schon länger auf der Suche nach Maßnahmen, wie Retouren reduziert werden können.
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg hat bereits im Frühjahr 2019 offengelegt, dass die Deutschen im Jahr 2018 schätzungsweise 490 Millionen Artikel im Onlinehandel zurückgeschickt haben. In einer Folgestudie wurde nun überprüft, wie man das ändern könnte.

Befragt wurden für die Untersuchung 139 deutsche Händler_innen, die ihre Produkte über das Internet verkaufen. „Die Ergebnisse zeigen, dass viele Versandhändler große Anstrengungen unternehmen, um die artikelbezogenen Retourenquoten abzusenken“, erklärt  Dr. Björn Asdecker von der Universität Bamberg. Trotzdem habe sich das Kundenverhalten nicht merklich verändert. Klassische vorbeugende Maßnahmen wie  bessere Artikelbeschreibungen, Abbildungen und Rezensionen seien ausgeschöpft. Jetzt seien neue Maßnahmen nötig.

Verbindlich genormte Größenangaben kann Rücksendung von Kleidung reduzieren
Eine wichtige und vielversprechende Maßnahme könnten vor allem im Fashion-Bereich einheitliche Kleidungsgrößen und eine funktionierende Online-Größenberatung sein.
Diese Einschätzung teilt Asdecker: „Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und bereits vorhandene Alltagstechnologien wie Handykameras zur Körpervermessung ermöglichen künftig signifikante Einsparpotenziale – sofern die Händler und Kunden die Technologien auch einsetzen.“ Außerdem sei die Angabe der Kleidergröße momentan wenig aussagekräftig, was zu erhöhten Retouren führe. „Hersteller sollten verbindliche, genormte Größenangaben verwenden“, so Asdecker. „Das erfordert eine übergeordnete, gegebenenfalls politisch geführte Koordinationsanstrengung, beispielsweise im Rahmen eines Siegels wie dem ‚grünen Knopf‘.“ Beide Maßnahmen würden die Rücksendungen von Kleidung deutlich reduzieren: Die Forschungsgruppe schätzt, dass auf diese Weise bis zu 25 Prozent der Retouren am Gesamtmarkt eingespart werden könnten, etwa 120 Millionen Artikel.

2,95 Euro pro Rücksendung als gesetzliche Verpflichtung würde helfen
Außerdem könnte eine geringe gesetzlich festgelegte Rücksendegebühr helfen. Die Befragten schätzen, dass durch eine Gebühr in Höhe von 2,95 pro Sendung etwa 16 Prozent aller Retouren vermieden werden könnten, das betrifft rund 80 Millionen Artikel. „Die Mehrheit der kleinen und mittelgroßen Händler würde gerne eine Rücksendegebühr erheben. Das lässt allerdings der starke Wettbewerb nicht zu“, sagt Asdecker. „Große Händler verzichten aus strategischen Gründen bewusst auf eine Gebühr, um Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Für diese Unternehmen lohnt sich die kostenlose Rücksendung.“ Durch eine gesetzliche Verpflichtung würden die gleichen Spielregeln für alle gelten. Die erwarteten Umsatzrückgänge der Händler fallen in einem solchen Szenario deutlich geringer und damit verträglicher aus.

Kostenlose Retoure ist eigentlich gar nicht kostenlos
„Die Daten dieser Untersuchung liefern starke Hinweise, dass bereits geringe Rücksendegebühren dazu beitragen können, die Anzahl der Retouren merklich zu reduzieren“, fasst Asdecker zusammen. Gebühren für Rücksendungen würden außerdem niedrigere Produktpreise ermöglichen, denn momentan seien die Kosten der Retouren im Preis einkalkuliert. Laut Asdecker finanzieren im Modell der „kostenlosen Retoure“ Wenig-Retournierer das Verhalten von Viel-Retournierern über höhere Preise mit: „Eine Rücksendegebühr etabliert demgegenüber das Verursacherprinzip, was grundsätzlich gerechter ist.“ Basierend auf diesen Erkenntnissen möchte die Forschungsgruppe Retourenmanagement als nächstes untersuchen, wie Rücksendegebühren gestaltet sein könnten, damit Verbraucher sie akzeptieren.

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