Eine Woche, ein Ende und der Anfang von allem

Autorin: Nina LaCour
übersetzt von Brigitte Jakobeit
ab 14 Jahren

Buchcover

Wie Fotocollage im Vintagestil, aus dem Zusammenhang eines Roadtrips mit Band gerissene Erinnerungsfetzen, dazwischen in großen schmalen Lettern, immer Weiß auf Bunt. So lacht einem Nina La Cours Werk „Eine Woche, ein Ende und der Anfang von Allem“ entgegen, vielversprechend und hoffnungsvoll, gleichzeitig aber auch nostalgisch, fast schon traurig, als wollte das Cover schon sagen „Vorsicht, ganz so glücklich wird es hier vielleicht gar nicht werden“. Genau das verzauberte mich und lies mich zögern, immer wieder, ehe mir das Schicksal das Buch schließlich praktisch vor die Füße warf.
Der Hintergrund ist einfach, Colby und Bev, seit gefühlten Ewigkeiten beste Freunde, haben einen gemeinsamen Plan für das kommende Jahr, jetzt, wo die Highschool endlich vorbei ist. Sie wollen nicht ans College, zumindest nicht sofort. Stattdessen wollen sie nach Europa, ferne Länder sehen, fremde Kulturen, und Colbys Mutter in Paris besuchen.
Vorher jedoch steht noch ein Woche Tournee mit Bevs, zugegebenermaßen etwas schief klingender, Girlband an, ein paar letzte Auftritte, bevor sie alle getrennte Wege gehen, Bev und Colby nach Europa, Meg an ein College in Portland und ihre kleine Schwester Alexa zurück zu ihrem letzten Highschool-Jahr.
Soweit in der Theorie.
Denn kaum starten sie die Tour, kommt der Schock. Bev wird nicht mit Colby nach Europa reisen. Entgegen aller Pläne hatte sie heimlich eine Collegebewerbung geschrieben. Und eine Zusage erhalten. Nach der Tour wird sie ans College gehen.
Für Colby bricht die Welt in sich zusammen. Wochenlang hat sie ihn belogen, jetzt hat er keinen Plan mehr für die Zukunft, die doch so sicher schien, und was noch viel schlimmer ist: was wird jetzt aus seiner heimlichen Liebe zu Bev?
Eine Woche bleibt ihm jetzt sein Leben neu zu erfinden. Während dem Roadtrip begleitet man die vier aus Colbys Sicht durch viele kleine Höhen und Tiefen, durch interessante Begegnungen mit Fremden und die Ungewissheit des Lebens.

Mir hat es an sich genommen großen Spaß gemacht, das Buch zu lesen, und manche Stellen waren so echt, dass ich dachte, wenn ich mich umdrehe, sitze ich bei den Vieren im Bus und kann mich mit ihnen unterhalten, jedoch kamen mir wiederum andere Szenen in ihrer Schilderung schwach und ungreifbar vor. Die Charaktere sind allesamt sehr stark ausgezeichnet, wodurch sie sehr lebendig wirken und die Konflikte sehr deutlich werden. Verpackt wird dies alles in einem unglaublichen, einzigartigen Schreibstil, von dem ich kein Problem hätte, ihn einmal „typisch La Cour“ nennen zu dürfen. Es ist äußerst faszinierend zu beobachten, wie nicht nur Colby, Bev, Meg und Alexa während der knapp 270 Seiten reifen, sondern auch die Autorin selbst. Klangen zu Beginn der Geschichte manche Sätze noch ein wenig holprig, so werden sie mit jeder Seite geschmeidiger und erwecken den Wunsch, zumindest eine kleine Weile darin versinken zu können und die echte Welt irgendwo da draußen mal eine Weile abschalten zu können.
„Eine Woche, ein Ende und der Anfang von Allem“ ist ein wunderschöner nachdenklicher Roman voller Momente und Gedanken, die gerade dadurch bestechen, dass sie nicht nur schön oder nur schrecklich sind, sondern durch Höhen und Tiefen laufen und trotzdem immer wieder auf einen Weg, und sei es nur ein Trampelpfad, zurückfinden. Ich empfehle es gerne weiter, auch wenn ich sagen muss, lasst euch nicht von der Seitenzahl täuschen – ein bisschen Zeit sollte man sich für Nina La Cours bemerkenswertes Buch dann doch nehmen.
 
Erschienen bei Carlsen

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    Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 30. Novemeber 2015