Zwei Seiten eines Augenblicks
Autorin: Jenny Valentine
Übersetzung: Aus dem Englischen von Klaus Fritz
Elk und Mab sind beste Freundinnen, verbringen jede freie Minute miteinander. Fühlen die Gefühle der anderen, lesen ihre Gedanken. Bis ein fataler Abend alles ändert: Ein Unfall zerreißt ihre Freundschaft, und plötzlich reicht das Band, das die beiden verbindet, bis ins Jenseits. Denn dorthin hat es Mab verschlagen. Doch damit nicht genug: Obwohl Mab nicht mehr da ist, ist sie doch noch da – zumindest für Elk, denn sie sieht Mab weiterhin, kann mit ihr sprechen wie mit einem Geist. Und ist genau deshalb ständig mit ihrem Verlust konfrontiert, während sie gleichzeitig gezwungen ist, ihr eigenes Leben weiterzuleben. Sie muss damit zurechtkommen, wie sich alle anderen Schritt für Schritt von Mab verabschieden, obwohl sie Elk jeden Tag begleitet – egal ob zur Schule, zum Zahnarzt oder zur Therapie.
Meine Meinung zum Buch
Jenny Valentine hat mit „Zwei Seiten eines Augenblicks“ ein sehr einfühlsames und berührendes Buch geschrieben. Die Geschichte von Elk und Mab hat mich in ihren Bann gezogen, allerdings hat sie mich nicht ganz abgeholt. Ich vermute es lag daran, dass ich schon beim Lesen zu sehr versucht habe, den großen Twist, die grundlegende Offenbarung vorherzusehen. Es ist mir nicht gelungen, das Ende hat mich trotzdem überrascht. Aber irgendwie hat mich das nicht zum Staunen gebracht, sondern eher zum Grübeln.
Ich glaube, dass „Zwei Seiten eines Augenblicks“ ein wunderbarer und zärtlicher Roman ist, der die Freundschaft von Elk und Mab fein porträtiert, Pinselstrich für Pinselstrich, Zeile für Zeile. Besonders Menschen, die selbst eine Verlusterfahrung gemacht haben, kann ihre Geschichte wahrscheinlich viel Kraft und Hoffnung spenden. Für mich haben die Dinge an manchen Stellen nicht ganz zueinander gepasst, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das mehr an meinen Erwartungen an den Roman lag, als an der Geschichte selbst.
Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist die Art der Autorin, zu beobachten und zu beschreiben. Die Atmosphäre der Erzählung ist gleichzeitig von einer gewissen Traurigkeit wie auch von einer Hoffnung dominiert, die aus den Rückblenden schimmert, wie ein Sonnenuntergang im Rückspiegel. Dadurch schöpft man beim Lesen unweigerlich Hoffnung für die Zukunft, die vor Mab und Elk liegt.
Ich würde „Zwei Seiten eines Augenblicks“ durchaus weiterempfehlen, auch wenn es bei mir als Leserin wahrscheinlich nicht sein volles Potential entfalten konnte.
Erschienen bei dtv
Autorin / Autor: lacrima - Stand: 6. Januar 2026