Wörter an den Wänden

Autorin: Julia Walton
Übersetzt von Violeta Topalova

„Ich habe Angst, dass ich eines Tages die Halluzinationsparade nicht mehr anschauen kann, ohne zu tun, was sie mir befiehlt. Weil das Medikament nicht mehr wirkt. Davor habe ich Angst. Und davor, dass meine Mitmenschen dann auch aus gutem Grund Angst vor mir haben könnten.“

Adam ist ein sehr liebenswerter Protagonist. Gefasst, empathisch, zuvorkommend und vor allem ehrlich. Aber er hat ein Geheimnis. Er ist krank. Und zwar leidet er an Schizophrenie. Er sieht Halluzinationen und hört Stimmen und nicht alle davon sind nett. Die Angst, dass das herauskommt und die anderen ihn als Freak abstempeln, ist groß.

Adam hat es definitiv nicht einfach im Leben, aber er versucht, das Beste daraus zu machen und kommt dabei meistens eigentlich relativ gut klar. Zu Beginn der Geschichte wechselt er auf eine katholische Schule, obwohl er nicht der Gläubigste ist. Dort findet er eigentlich recht schnell gute Freunde, Dwight und Maya. Dwight redet dabei ununterbrochen, aber es ist Adam nicht unangenehm. Mit Maya versteht er sich gut und die beiden kommen sich auch etwas näher. Ob aus den beiden wohl ein Paar wird? Einen Gegenpart findet Adam auch in Ian. Obwohl es zwischen den beiden auch die ulkigsten Momente gibt, (Stichwort: Pickelpo!) war mir Ian immer unsympathisch. Ich fand es aber toll, wie gefasst Adam auf Ians Sticheleien meistens, wenn auch nicht immer, reagiert hat.

Das Cover hat mich bei dem Buch tatsächlich nicht angesprochen, dafür der Inhalt umso mehr. Ich hatte mir sofort gedacht, dass Adam eine interessante Person ist. Sein Leben wird uns in einer Art von Berichten, bzw. Tagebucheinträgen die er selbst verfasst hat, näher gebracht. So ist man direkt in seinem Kopf und erlebt alles hautnah mit, was er erlebt und was er dabei denkt. Vor allem, was er überhaupt als wichtig erachtet. Man kann sich allerdings nie sicher sein, ob seine Schilderungen tatsächlich der Realität entsprechen. 

Der Schreibstil des Buches hat mir auch gut gefallen. Durch die Ich-Perspektive hatte man das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein. Der Satzbau der Autorin ist dabei leicht und locker zu lesen. Man hat nicht das Gefühl, hängen zu bleiben. Langatmigkeit kommt bei dem Buch nicht wirklich auf. 

Ich finde es gut, dass für dieses Thema sensibilisiert wird; dass die Jugend darauf aufmerksam gemacht wird. Zunächst bekommt man den Eindruck, als ob es nicht okay sei, sich seltsam zu benehmen. Früher sollte man immer etwas Besonderes sein, auffallen. Aber heutzutage hat man zu funktionieren und darf nicht aus der Reihe tanzen.  Ich finde, das Buch ist sehr informativ und vermittelt auch eine wunderbare Botschaft, nämlich, dass es okay ist, zu sein, wie man ist.

„Realität ist subjektiv. Es gibt eine Menge Dinge, die nicht für jeden gleichermaßen real sind.“

Erschienen bei Arctis

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Autorin / Autor: Lisa - Stand: 9. März 2020