Wir sind unsichtbar

Autorin: Maike Stein
ab 12 Jahren

Die bläulichen Abbilder zweier Mädchen, durch die die Silhouette Berlins scheint. Gelber Hintergrund. Durch den oberen Teil des Bildes, über und hinter den blassgelben Lettern „Wir sind unsichtbar“ flattern Vögel. Ein bisschen malerisch, ein bisschen melancholisch, vorsichtig – das ist das Cover zu Meike Steins Jugendroman, den man sich auf jeden Fall merken sollte.

Liebe und Hass, Akzeptanz und Ausgrenzung, wie nah dies beieinander liegt, wird kaum so deutlich dargestellt. Erzählt aus gleich drei verschiedenen Perspektiven, ermöglicht die Autorin dem Leser ein umfassendes Bild der Geschichte, so steht einem die Haupterzählform des Romans zur Verfügung, eine klassische Ich-Form, aus Sicht der 16-jährigen Valeska, genannt Leska.

Leska ist lesbisch und das wissen nicht nur ihre Familie und Freunde, sondern auch ihre Klassenkameraden. Über ihr Leben mit dem Coming-out führt sie einen Blog, dessen Einträge, die innerhalb der Erzählspanne des Buches liegen, dem Leser ebenfalls zur Verfügung stehen und ihre Gedanken prima ergänzen. Zudem finden sich aber am Ende vieler Kapitel noch Bruchstücke eines anderen Lebens, Zeilen, in denen Angst und Schmerz unglaublich greifbar werden. Lange wird man hier im Ungewissen gehalten, wer hier eigentlich spricht, jedoch liegt die Vermutung von Beginn an nahe, dass es sich um Inken handelt.
Inken ist noch nicht allzu lange an Leskas Schule und bisher hatten sie auch nicht viel miteinander zu tun. Für Leska war sie immer nur ein „Sonntagskind“ - brav und langweilig. Dass Inken aber viel Schmerz versteckt, wird erst später deutlich.

Nach einem Kuss beim Flaschendrehen beginnt es, ein langes Versteckspiel. Denn Inken ist ebenfalls lesbisch, eigentlich perfekt, denn die beiden fühlen sich zu einander hingezogen, doch Inken besteht darauf, die Beziehung im Geheimen zu halten. Leska verstrickt sich dadurch in viele Lügen, ist aber nicht bereit Inken und ihre Beziehung aufzugeben. Sie schafft es, ihre starre Mauer aus Schweigen zu durchbrechen und erfährt schließlich Inkens Grund für die Angst.

Mehr möchte ich zum Inhalt gar nicht sagen, denn diesen Teil muss man dann doch wirklich selber lesen ;-) 
Mich hat das Buch sehr berührt, da Inkens Angst genauso greifbar und nachvollziehbar ist, wie Leskas Gefühle. Der Hass, die Homofeindlichkeit, die in dem Buch ebenfalls zur Sprache kommen, haben mich eben dieser beraubt – so real und leider wahr wird sie beschrieben, dass mir glatt entfiel, dass die Charaktere fiktiv sind, nur stellvertretend für viele reale Menschen stehen und die kann man leider nicht alle davon überzeugen, dass Liebe nun mal kein Geschlecht hat.

Wie dem auch sei, ich glaube, Meike Stein hat hier ein sehr lesenswertes Buch erschaffen, dessen Thematik leider noch immer ein Tabu in unserer Gesellschaft ist. Deshalb empfehle ich es nicht nur, weil es wunderschön geschrieben und trotz aller Ernsthaftigkeit mit Humor und Leichtigkeit vollgepackt ist, weiter, sondern auch, weil es ein klares Statement setzt und vielleicht sogar zu mehr Akzeptanz und Toleranz beitragen kann!


Erschienen bei Oetinger Verlag

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    Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 15. Dezember 2015