Wilde Saat

Autorin: Octavia Estelle Butler
Aus dem Amerikanischen von Will Platten

Der Roman „Wilde Saat“ geschrieben von Octavia Butler handelt von Anyanwu und Doro, die beide über besondere Fähigkeiten ganz verschiedener Art verfügen. Ihnen beiden ist jedoch ein langes Leben beschieden, bis hin zu Unsterblichkeit. Doro ist allerdings um einiges älter und erfahrener und hat sich bereits auf eine Art des (Über-)Lebens festgelegt. Anyanwu ist für ihn zunächst nur ein Mittel zum Zweck, wobei er jedoch die Rechnung nicht mit ihrer Macht und Willensstärke gemacht hat. Sie ist „wilde Saat“, die Doro vor ganz neue Herausforderungen und Fragen stellt.

Die Geschichte ist eine Mischung aus historischer und Fantasy/Science-Fiction-Erzählung (da der Roman lose zu einer Reihe gehört, die eindeutig in die Science-Fiction-Richtung geht, wird es als Sci-Fi beworben. Dieser, von der Storyline her erste Teil, geht jedoch eher in Richtung Fantasy, da Menschen über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen, ohne dass eine Weiterentwicklung der Technik eine Rolle spielt). Im Laufe der Geschichte werden Fragen zu Menschlichkeit, Verwandtschaft, Liebe, Moral, Macht, Kontrolle, Gender und Geschlecht aufgeworfen.

Insgesamt hat mir „Wilde Saat“ sehr gut gefallen. Der Schreibstil war mir insgesamt ein wenig zu nüchtern, aber dieser Eindruck könnte auch an der deutschen Übersetzung liegen. Erfrischend und aufrüttelnd anders war der Einblick in verschiedene Epochen mit Fokus auf Schwarze und Versklavung und auch die Darstellung der besonderen Fähigkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen war beeindruckend durchdacht. Sexismus, Rassismus und z. T. sogar Speziesismus (laut Peta: „Einfach ausgedrückt, werden im Speziesismus Menschen gegenüber anderen Tieren bevorzugt“) werden aus ihren Angeln gehoben; vielschichtige Charaktere, verschiedenster Herkunft und Geschlechts werden dargestellt.

Selten hatte ich aber auch das Gefühl, dass in Klischee abgerutscht wird, z. B. wenn Anyanwu über besonders starke „Muttertriebe“ verfügt, während Doro sich eher aus anderen Gründen für seinen Nachwuchs interessiert. Auch das Ende fand ich etwas ernüchternd, aber ich will ja nicht zu weit vorgreifen… Andererseits zeigen solche Beispiele wie aktuell Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern wirken und funktionieren (können). Eine weitere „Entschuldigung“ ist, dass der Roman inzwischen auch schon über 40 (!) Jahre alt ist. Dies führt einem mal wieder vor Augen wie lange der Kampf gegen Rassismus und Sexismus von Betroffenen schon geführt wird und was diese Menschen für beeindruckende Vordenker_innen sind.

Weiterempfehlen kann ich das Buch nur an alle, insbesondere aber an Fans von Fantasy (die Science-Fiction-Elemente waren wie gesagt noch nicht sehr stark ausgeprägt, aber vielleicht sind die anderen Romane von Octavia Butler ja dann was für dich?) und vielseitigen, diversen Charakteren. Meine Altersempfehlung läge bei ca. 14 Jahren (es gibt einige explizite Gewalt und Sexszenen), eher älter als jünger.


Erschienen bei Heyne

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Autorin / Autor: Johanna - Stand: 16. August 2021