Wie Melodien im Wind

Autorin: Alicia Zett

„Mädchen aus schwierigen Verhältnissen verliebt sich in Königssohn.“ So könnte man den Plot des Romans „Wie Melodien im Wind“ von Alicia Zett in einem Satz zusammenfassen. Aber eigentlich steckt viel mehr dahinter: Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Mut und Überwindung sowie vielfältige Hobbys wie Fußball und Musik. All das können Leser:innen beim Lesen von „Wie Melodien im Wind“ entdecken.

Der zweite Roman der „Liebe ist“ – Trilogie der deutschen Autorin Alicia Zett handelt von den Teenagern Toni und Lukas, die gemeinsam das Internat „Schloss Mare“ besuchen. Schon seit Jahren sind sie befreundet und fast genauso lange ist Toni in Lukas verliebt. Dabei kommen sie aus unterschiedlichen Welten. Lukas Familie ist adelig, während Toni aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt. Beide reden nicht gerne über ihre Familie, sondern genießen das unabhängige Leben im Internat mit ihrer Freundesclique.
Neben ihren Freund:innen verbringen die beiden gerne Zeit mit vielfältigen Hobbys. Beide lieben Sport, Toni ist insbesondere fußballbegeistert. Weiterhin teilen die beiden ihre Leidenschaft für Musik. Das Musizieren ist für sie wie eine Flucht in eine andere Welt, in der sie mutig, frei und selbstbewusst sein können. So verarbeitet Toni auch ihre Gefühle und Ängste in selbstgeschriebenen Songs, von denen einige durch den Musiker Luca Pfeiffer vertont und auf einer Playlist zum Buch veröffentlicht wurden. So erhält man als Leser:in einen besonderen Bezug zu den Liedtexten und zu den Charakteren der Geschichte.
Lukas spielt in der Internatsband. Toni bewundert ihn dafür, traut sich aber selbst nicht, in der Band mitzumachen. Doch dann fällt der Schlagzeuger der Band aus und Lukas fragt ausgerechnet Toni, ob sie ihn ersetzen möchte. Um ihren Crush nicht zu enttäuschen, sagt Toni natürlich zu und so verbringen die beiden auch in der Band immer mehr Zeit zusammen. Und damit Toni die Songs der Band möglichst schnell lernt, hilft Lukas ihr exklusiv beim Noten lernen und so entsteht eine ungewohnte, aber prickelnde Zweisamkeit zwischen den beiden.
„Wie Melodien im Wind“ ist eine sehr emotionale und romantische Geschichte, in der aus Freundschaft eine Beziehung wird. Die Geschichte von Toni und Lukas zeigt, aber auch die Probleme, die man als plötzliches Paar in einer Freundesclique hat und auch wie es ist, wenn man aus unterschiedlichen Welten kommt und sich das erste Mal auf jemand völlig anderen einlässt.

So ist in dem Roman auch Platz für ernste Themen und mentale Probleme. Beispielsweise ist es Toni und Lukas wichtig, in der Beziehung auch ihren Freiraum und Zeit für sich zu haben und so auch Hobbys und Erfolge ohne den anderen zu meistern. Auch wird den Leser:innen im Verlauf der Handlung deutlich, wie viel sich hinter den Fassaden von Lukas und Toni befindet, und dass jede:r manchmal Probleme und Schwierigkeiten hat, auch wenn ein Leben auf den ersten Blick „perfekt“ scheint. So werden wichtige Werte vermittelt, unter anderem, dass gegenseitige Unterstützung und Vertrauen über materiellen Dingen und Geld steht. Weiterhin erklärt die Autorin Alicia Zett anschaulich, dass es in Beziehungen immer Höhen und Tiefen gibt und man auf seine:n Partner:in zugehen und Kompromisse finden muss.

Toll ist es, als Leser:in die Entwicklung der Charaktere zu beobachten, sodass man richtig mitfiebert und stolz auf Toni ist, als sie es schafft zu sagen: „Ich bin nicht okay“ und Hilfe anzunehmen. So ist „Wie Melodien im Wind“ insgesamt ein sehr vielfältiges Buch, welches die vielfältigen Facetten des Lebens wiederspiegelt, in dem sich jede:r wiederfinden kann. Neben der romantischen Geschichte zwischen Lukas und Toni sind auch die Erlebnisse ihrer Freund:innen, ihre Hobbys und Schwierigkeiten in der Schule und mit den Eltern wichtige Elemente der Geschichte, sodass es nicht langweilig wird und sich die einzelnen Themenbereiche angenehm ergänzen.

Durch den emotionalen und lebensnahen Schreibstil der Autorin, bekommen sowohl positive als auch negative Momente einen ganz eigenen „Touch“ und es entsteht viel Raum für Ängste und Gefühle, sodass man als Leser:in zeitweise das Gefühl hat, man würde Tonis Tagebuch lesen oder sie säße direkt neben einem und man möchte sie am liebsten in den Arm nehmen. Gleichzeitig lockern die vielen Dialoge die Geschichte auf und ermöglichen noch tiefere Einblicke in die Verhältnisse zwischen den einzelnen Charakteren.

Persönlich nicht so gut gefallen hat mir, dass einige Internat-Klischees, wie beispielsweise, dass die meisten dort reich und abgehoben sind, recht häufig bedient wurden, und dass das Cover Lukas und Toni als gezeichnete Figuren zeigt. So geht leider die eigene Vorstellungskraft über das Aussehen der Charaktere während des Lesens ein bisschen verloren, was aber nichts daran ändert, dass die Geschichte von „Wie Melodien im Wind“ sehr facettenreich und mitreißend ist.

So ist es ein ideales Buch für die Herbst- und Winterzeit, in der man sich Ruhe und Zeit nehmen kann, um sich auf das Buch und die Geschichte einzulassen und sich an die Nordsee und ans Internat „Schloss Mare“ zu träumen.
Wer Toni, Lukas und ihre Clique liebgewonnen hat, kann sich auf eine Rückkehr nach „Schloss Mare“ im Februar 2024 freuen. Im dritten Band der Reihe wird die Geschichte von Caro und Sam näher beleuchtet.

*Erschienen bei One*

Autorin / Autor: Leonie - Stand: 9. Oktober 2023