Wer morgens lacht

Autorin: Mirjam Pressler

Anne und Marie sind Schwestern. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein – und darum haben sie sich auch oft gestritten. Es ging meistens darum, wer die besseren Bedingungen hatte – egal ob das etwas zur Sache tat oder nicht. Immer wollte eine von beiden die Bessere sein. Ein stetig andauernder Wettkampf.

Doch dann ist Marie plötzlich spurlos verschwunden. Ich-Erzählerin Anne versucht in ihrem Studenten-Alltag klar zu kommen, doch sie erinnert sich immer häufiger an Szenen von früher und so scheint Marie sie Tag und Nacht zu verfolgen. Sie wird von Marie-Bildern überrumpelt, eingenommen und beginnt, sich alles von der Seele zu schreiben...

»Ich muss sie loswerden, das ist meine einzige Chance, wieder nur ich zu sein. Bis heute sitzt sie mir im Genick, und wenn es mir mal gelingt, sie ein paar Tage zu verdrängen, taucht sie in meinen Träumen auf.«

Der vielversprechende Buchrückentext lässt vieles erwarten. Eine Hassbeziehung zwischen Schwestern – ein Thema, über das ich noch nie gelesen habe.
Ich habe mir das Buch komplett anders vorgestellt. Die Beschreibung auf dem Buchrücken und der Klappentext lassen einen in der Erwartung, ein Buch mit modernem Schreibstil zu lesen. Pressler schreibt an manchen Stellen jedoch beinahe schon erzählerisch, gerade wenn es um die Familie, die auf dem Dorf lebt, geht. Es ist eine Frage des Geschmacks, ob das gefällt oder nicht. Meine Erwartungen wurde leider nicht erfüllt.

Oft wird die Kindheit der beiden Schwestern in einem Atemzug mit der jetzigen Zeit genannt, was ab und zu verwirrend ist. Auch trägt Mirjam Presslers sehr eigener Schreibstil dazu bei, dass ihr Buch keine leichte Kost ist. Wer auf Bandwurmsätze steht, die mit vielen Kommas getrennt sind, der wird mit "Wer morgens lacht" glücklich. Ich muss leider sagen, dass mich die Sätze, die zum Teil eine halbe Seite füllen, gestört haben, da sie den Lesefluss und -rhythmus doch behindern. Oft musste ich einen Satz mehrmals lesen, um ihn von Anfang an zu verstehen. Für mich sehr schade.

Presslers Themenwahl der Schwesternbeziehung gefällt mir jedoch gut – es ist „mal was anderes“ und ein Thema, das auch aus verschiedenen Perspektiven geschildert werden kann. Ein guter Ansatz, nur die Umsetzung kann nicht mithalten.

Mirjam Pressler ist bereits 73 Jahre alt, wie ich der kleinen Autorenbiographie entnehmen konnte. Bekannt wurde sie durch Werke wie "Nathan und seine Kinder". Mirjam Pressler zählt heute zu einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautorinnen.

Das vom Hersteller empfohlene Alter beträgt 10-15 Jahre. Ich denke, dass ein Kind mit 10 dieses Buch nicht lesen sollte. Einerseits wird das Buch zum Ende doch eher brutal und andererseits denke ich nicht, dass so junge Leser Presslers Bandwurmsätze mögen. Da wird es schnell zu langweilig und langatmig und die Kinder legen das Buch weg.

Ich denke, eine Altersempfehlung ab 14 Jahren wäre genau richtig.

Erschienen bei: Beltz & Gelberg Verlag

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Autorin / Autor: petite - Stand: 22. Juli 2013