Was ich euch nicht erzählte

Autorin: Celeste Ng
Gekürzte Fassung mit Britta Steffenhagen

Lydia Lee: 16 Jahre alt, hübsch, intelligent und das Lieblingskind ihrer Eltern. Doch dann erscheint sie eines Morgens nicht am Frühstückstisch. Ihre Mutter schaut in ihrem Zimmer nach, doch Lydia ist weg und ihr Bett sieht aus, als hätte dort in der letzten Nacht keiner geschlafen. Die Polizei meint, sie würde bald zurückkehren, denn das machen viele Mädchen in ihrem Alter, doch Lydia bleibt verschwunden. Auf einem See in der Nachbarschaft entdeckt man ein verlassenes Boot und kurze Zeit später fischt man ihre Leiche heraus. Die Polizisten sind überzeugt, es war kein Unfall: Alles deutet auf einen Selbstmord hin. Doch Lydias Mutter Marilyn ist sich sicher: ihre Tochter hätte so etwas nie gemacht, denn dafür hat sie ihre Familie zu sehr geliebt. Lydias Bruder Nate dagegen verdächtigt den Nachbarsjungen, denn vor ihrem Tod hatten die beiden viel Zeit miteinander verbracht. Die Familie Lee trauert und möchte verstehen, wieso ihre geliebte Tochter und Schwester gestorben ist. Und so beginnt eine gedankliche Reise in die Vergangenheit, wo man alles erfahren wird…

Das Hörbuch war zwar sehr beeindruckend und interessant, jedoch überhaupt nicht so, wie ich es mir vom Klappentext her vorgestellt hatte. Ich erwartete einen Krimi, in dem Lydias letzte Schritte vor ihrem Tod verfolgt werden, mit viel Spannung und schneller Handlung. Doch ganz im Gegenteil ist „Was ich euch nicht erzählte“ ein sehr ernstes Buch, in dem es vor allem darum geht, wie Lydias Familie mit ihrem Tod umgeht und sich endgültig von ihr verabschiedet. Erst ganz am Schluss wird die Frage, ob es denn Selbstmord, ein Unfall oder Mord war, beantwortet. Persönlich fand ich das Buch zwar toll geschrieben, aber als Hörspiel völlig ungeeignet, weil die Handlung sowieso recht schleichend voran geht und Britta Steffenhagen das Ganze eher ruhig und langsam erzählt. Die Gesamtdauer beträgt 7h und 45min, was doch ziemlich lange ist – an manchen Stellen bin ich dann ein wenig unaufmerksam geworden. Daher würde ich euch empfehlen, auf jeden Fall lieber das Buch zu lesen.

Was auch eine wichtige Rolle spielt ist die Tatsache, dass James Lee, Lydias Vater, Sohn chinesischer Einwanderer ist und es somit schon als Kind nicht leicht hatte, von anderen akzeptiert zu werden. Überall fühlte er sich fehl am Platz und Lydia, die das asiatische Aussehen ihres Vaters geerbt hatte, war auf die gleichen Probleme wie ihr Vater gestoßen. Doch wie genau Lydias Situation in der Schule aussah, erfährt man erst in Rückblenden. Man muss vor allem bedenken, dass die Geschichte in den 70er Jahren spielt (Gegenwart), teilweise auch schon in den 50ern (Vergangenheit), als ausländische Menschen in den meisten Gegenden der USA eine Rarität waren.
Das Ende des Hörspiels hat die Handlung erfolgreich abgerundet. Insgesamt war ich sehr beeindruckt davon, wie Celeste Ng Lydias Geschichte präsentiert. Zwar hatte ich mir das Hörbuch komplett anders vorgestellt und war ein wenig enttäuscht, jedoch zugleich positiv überrascht von der ernsten Thematik und tollen Umsetzung der Handlung. Ich gebe dem Buch 3,5 von 5 Sternen und empfehle das (gedruckte) Buch insbesondere den Lizzys weiter, die keine spannende, sondern vielmehr eine tiefer gehende Lektüre lesen wollen.


Erschienen bei D-A-V

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Autorin / Autor: lucky2000 - Stand: 22. Juli 2016