Viel näher als zu nah

Autorin: Angela Kirchner

Buchcover Viel näher als zu nah

Lucas hat Mist gebaut. Großen Mist. Sein bester Freund Ben, sein Wingmen hat mit ihm bei einem Motorradrennen einen Unfall gebaut. Dabei haben sie ein anderes Auto mit hineingezogen. Alle außer Ben wurden schwer verletzt. Nur weil Lucas ein Mädchen nicht abbekommen hat, an dem er interessiert war. Während Ben glimpflich davongekommen ist, sind Lucas Knochen gebrochen. Versunken in seinem Zustand und seine Situation plagen ihn Schuldgefühle. Er sucht die anderen Beteiligten auf, die mit verletzt wurden. Als er erfährt, dass es auch das Mädchen ist, an dem er so interessiert war, fühlt sich er sich vor den Kopf gestoßen. Als sie, Fey, davon erfährt, verachtet sie ihn. Lucas erfährt, dass Fey genauso schlimm verletzt wurde wie er, und ihre beste Freundin wegen ihnen ins Koma versetzt werden muss. Lucas kann es nicht glauben und versinkt in seiner Selbsttrauer und seiner Schuld. Er will nur noch, dass alles so wie früher wird und dass alles nicht passiert ist. Aber es ist passiert, und er kann es nicht mehr ändern. Er sollte lernen, wieder ins Leben zurückzukehren, wenn da nur nicht Fey wäre, die ihn ständig fertigmachen und ihn jederzeit an seine Schuld erinnern würde. Trotz allem fühlt er sich von ihr angezogen und umgekehrt. Doch alles ist so falsch. Als Lucas sich auch noch mit Ben verkracht, ihre Freundschaft auf dem Spiel steht und Fey ihn immer wieder abstößt, weiß er was zu tun ist, um zu richten, was er angestellt hat.

Meine Meinung
Das Cover ist schlicht, aus dicker Pappe, was auch mal etwas anderes und sehr schön ist. Nur finde ich, dass es nicht ganz die Stimmung und die Handlung des Buches trifft.

Lucas ist von sich selbst überzeugt. Er nutzt seinen Charme und sein Aussehen aus und weiß ganz genau, wie er den einsetzt. Er lebt für den Moment und hat bis zu dem Unfall nie an andere gedacht. Als beliebter Aufreißer und Macho macht er seinem Image alle Ehre. Bis zu dem Zeitpunkt zu dem er den Unfall baut. Lucas erkennt, wie selbstsüchtig und falsch er sich verhält. Am Ende träg er die Verantwortung und steht zu seinen Fehlern. Fey ist egoistisch und auch noch gemein zu Lucas. Sie weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, in Lucas Haut zu stecken, doch anstatt ihm aus dem Weg zu gehen, macht sie ihm jedes Mal neue Hoffnungen, um ihn dann wieder vor den Kopf zu stoßen. Sie sollte ihm hassen, was sie aber nicht tut. Aber ihm verzeihen kann sie auch nicht. Bis zu einem späteren Zeitpunkt, wo sie einsieht, dass es nichts bringt, so weiter zu machen.

Das Buch ist in zwei Schriftarten geteilt, eine für Lucas und die andere für Fey, was es dem Leser leicht macht, zwischen den Rollen und Gedanken zu springen. Die Geschichte und die Idee dahinter hat mir sehr gut gefallen. Genauso wie der Schreibstil der Autorin. Alles war leicht und flüssig zu lesen, und man konnte sich in die beiden Hauptpersonen leicht hineinversetzen. Hier und da war es auch mal lustig. Aber der Hauptkern dieser Geschichte ist die Schuldzuweisung und wie man damit umgeht. Es sollte wahrscheinlich ein ernstes Buch mit einem alltäglichen Geschehen sein, was gut getroffen wurde.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Es gibt nichts, was ich schlecht finde. Das Buch hat die Tiefe der Schuldzuweisung gut umgesetzt, es ist aber doch noch so gemacht, dass es für den Leser interessant ist, die Geschichte von Lucas und Fey weiter zu verfolgen. Mein Lieblingszitat von Fey ist: „Ich hoffe, er geht. Ich hoffe, er bleibt.“ und von Lucas: „Falsch, auf so viele Arten falsch.“ Diese zwei Zitate passen perfekt zu der Stimmung des Buches. Anfangs dachte ich, dass es nur ein Liebesroman ist, aber ist es so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte. Es geht um Schuld, Freundschaft, Liebe und Vergebung. Das Buch bekommt von mir 4/5 Sternen. 

Erschienen bei Dressler

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Autorin / Autor: lindana - Stand: 2. Januar 2018