Unpregnant - Der Trip unseres Lebens

Autor_innen: Jenni Hendriks, Ted Caplan
Übersetzt von: Kattrin Stier

„Unpregnant“, geschrieben von Jenni Hendriks und Ted Caplan, ist ein witziger Roman über… Abtreibung.

Was kurios klingt… ist es auch ein wenig. Veronica führt das aus ihrer Sicht perfekte Leben: Sie hat eine Freundinnen-Clique, einen festen Freund – der gut aussieht und beliebt ist –, hat sehr gute Noten und wird vielleicht sogar die Abschlussrede für ihren Highschool-Jahrgang halten. Bald geht’s für sie mit Stipendium ans College! Aber dann geschieht es… sie ist schwanger. Für Veronica ist sofort klar, dass sie dieses Kind nicht bekommen will. Abtreibungen sind in ihrem Bundesstaat jedoch für Minderjährige nur mit Einverständniserklärung der Eltern möglich – die wird sie jedoch auf keinen Fall bekommen. Sie muss also 1600 km zurücklegen, um legal abtreiben zu können – und das, ohne dass jemand etwas mitbekommt. Wie soll sie das anstellen? Auf ihrem Weg erwarten sie einige Absurditäten, Enttäuschungen, ein Elefant und ein Frettchen, Kühe, Zeitnot, Stripper_innen und andere hilfreiche und weniger hilfreiche Menschen, jede Menge Snacks, aber vor allem Freundschaft und die Erkenntnis, was ihr eigentlich wirklich wichtig ist.

Ich bin sehr angetan von der Geschichte. Es wird sehr anschaulich geschildert, wie Veronica es schafft, sich von den Erwartungen der anderen zu lösen und ihren eigenen Weg zu finden. Es wird ein sehr US-amerikanisch-Szenario beschrieben, dass aus meiner Sicht gelegentlich seltsam anmutet, aber das bin ich schon aus vielen anderen Jugendromanen und -filmen gewohnt. Manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass das Thema Abtreibung doch etwas „leichtfertig“ behandelt wird, aber dann dachte ich, dass das gerade das Ziel des Romans ist; nämlich das Thema aus der Tabu-Ecke zu holen und vor allem für Mädchen und junge Frauen einen leichteren Zugang dafür zu schaffen.

Für Menschen, die sich „ernsthaft“ mit Abreitbungen beschäftigen möchten, selber eine erlebt haben oder eine in Erwägung ziehen, ist das Buch eventuell nicht das Richtige (oder vielleicht gerade doch? Ich finde das schwer einzuschätzen, ist aber wahrscheinlich auch typabhängig), aber um einen zielführenden Umgang mit der Problematik zu bekommen – in verschiedener Hinsicht – und um eine (vielleicht) neue Perspektive darauf zubekommen, ist es ein super Buch. Was ich allerdings etwas schade fand, ist, dass die Geburt eines Kindes mit dem Ende der (Studien)Karriere gleichgesetzt wurde. Das lag vermutlich auch einfach an der Situation und dem direkten Umfeld von Veronica, aber ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass es so nicht sein muss (auch wenn es natürlich tausend andere Gründe gibt, weshalb man [gerade] kein Kind bekommen will).
Zusammengefasst ist „Unpregnant“ ein empowernder, feministischer Road-Trip-Roman voller schwarzem Humor, mit einer Sismance, die es in sich hat. Empfehlen kann ich das Buch eigentlich nur allen, aber besonders Mädchen ab ca. 12.


Erschienen bei FISCHER Jugendbuch

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Autorin / Autor: Johanna R.