Tochter des Windes

Autorin: Stacy Gregg
Übersetzt von: Fiona Weisz

Buchcover

Die Aufmachung des Buches finde ich sehr stimmungs- und geheimnisvoll. Man verspürt schon den fremdartigen Hauch des Orients und besonders pferdebegeisterten Mädchen dürfte beim Anblick des Covers das Herz höherschlagen.

Die erste Hälfte hat dann auch genau das gehalten, was ich mir von der Geschichte versprochen hatte. Haya, die Tochter des jordanischen Königs wächst zusammen mit ihrem Bruder Ali in einem Palast in der Wüste auf und verliert durch ein tragisches Unglück schon sehr früh ihre geliebte Mutter. Um ihren Schmerz zu lindern, schenkt ihr der Vater das Fohlen ihrer Lieblingsstute, die dessen Geburt nicht überlebt hat. So sind die beiden in der gleichen Situation und Haya gewinnt durch Bree wieder Freude am Leben. Da sie ihre Zeit meist im Stall verbringt und sich nicht "standesgemäß" verhält, erlegt ihr Frances, die neue Gouvernante, Strafen und Verbote auf, um sie doch noch zu einer respektablen und vorzeigbaren Prinzessin zu erziehen. Zum Glück kann sie fast immer auf ihren Vater zählen, der ihr dann doch jeden Wunsch erfüllt. Selbst gefährliche Aktionen von Haya bleiben ohne nennenswerte Konsequenzen.

Spannend, aber auch verständlich war die Tatsache, dass alle Mitglieder der Königsfamilie außerhalb der Palastmauern ständig von Sicherheitspersonal umgeben waren. Sogar als Haya in einem Internat in England zur Schule und zum Reiten geht, sind immer Bodyguards bei ihr. Das führt dem Leser klar vor Augen, dass es nicht immer schön oder erstrebenswert ist, eine Prinzessin zu sein...

Bis dahin haben mir die orientalische Atmosphäre und die klar gezeichneten Charaktere sehr gefallen und ich konnte mich gut in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten hineinversetzen. Doch als es an das Zureiten und die Ausbildung von Bree geht, wird die Handlung dermaßen unglaubwürdig, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Da wird innerhalb von wenigen Tagen aus einer jungen Araberstute ein sicheres Reitpferd, nach kurzer Zeit ein begabtes Springpferd und zudem erweist sie sich später sogar noch als ein unerschrockenes Voltigierpferd. Und das alles schafft ein 12-jähriges Mädchen, die all das selbst erst kurz zuvor gelernt hat, in ein paar Wochen? An so einer unrealistischen Story haben nur wirklich pferdeverrückte und verträumte, kleine Mädchen Freude...

Noch schlimmer finde ich dann die Beschreibung als Haya einen Falken geschenkt bekommt, um ihn als Jagdfalken für das große Turnier auszubilden  (ebenfalls in wenigen Wochen), an dem sie teilnehmen will. Obwohl sie keine Ahnung von Falken hat, wird ihr das Tier von den Erwachsenen einfach so überlassen und sie bringt damit ihn und auch sich selbst in mehrere, gefährliche Situationen. Auch Bree bleibt nicht von ihrem Ehrgeiz verschont und wird trotz eines schlimmen Sturzes im Turnier weitergeritten. Auch wenn es sich dabei hoffentlich um fiktive Elemente in der ansonsten realen Lebensgeschichte von Prinzessin Haya handelt, macht das keinen Spaß zu lesen. Solche Tierquälerei setzt ein falsches Signal bei den jungen Leserinnen und ich kann deshalb dieses Buch nicht weiterempfehlen. Das ist sehr schade, denn ohne diese in meinen Augen gravierenden Mängel, wäre es ein lesenswertes Buch gewesen.

Erschienen bei Kosmos

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    Autorin / Autor: sharifa - Stand: 5. Dezember 2016