Thieves Gambit
Autorin: Kayvion Lewis
In dem Diebesthriller „Thieves‘ Gambit“ von Kayvion Lewis, übersetzt von Christa Prummer-Lehmair und Heide Horn, nimmt die siebzehnjährige Ross Quest an einem geheimen Diebeswettkampf einer undurchsichtigen Organisation teil, um ihre Mutter zu retten.
Ross lebt mit ihrer kleinen Familie a.k.a. Diebesgilde auf den Bahamas, von wo aus sie Aufträge in der gesamten Welt annehmen. Das Familienoberhaupt ist Ross‘ etwas autoritäre Mutter. Heimlich träumt Ross davon, auch mal auszubrechen und einfache Teenie-Aktivitäten unternehmen zu können. Ihr Wunsch ist ein normaler Ferien-Sportkurs.
Ausgerechnet als sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen will, wird ihre Mutter gekidnappt. Um sie zu retten, nimmt Ross an dem gefährlichen Diebeswettkampf Thieves‘ Gambit teil. Der Gewinner oder die Gewinnerin hat einen Wunsch frei, der sich mit Macht, Geld oder Einfluss erfüllen lässt.
Die erste Regel ihrer Familie lautet: „Traue niemandem.“ So trifft Ross auf die anderen Teilnehmenden, tritt in waghalsigen Wettkämpfen gegen diese an und schmiedet zarte Allianzen, ist dabei aber doch immer auf der Hut…
Die Handlung dehnt sich auf die ganze Welt aus. Zu Hause ist Ross schon zu Beginn selten und während des Wettkampfs gar nicht mehr. Frankreich und Ägypten sind nur einige der Orte, an die es Ross im Verlauf der Geschichte verschlägt.
Diebes-Thriller trifft Coming-of-Age Roman – durch diese Kombination wird der Zugang zu Ross‘ Lebenswelt für Teenager eröffnet. Nachvollziehbar möchte Ross ein wenig unabhängig sein und auch mal außerhalb ihrer Familie etwas erleben.
Durch den personalen Erzählstil lässt sich Ross‘ Entwicklung gut miterleben. Vor allem in Bezug auf ihren inneren Struggle, inwieweit die „Regel Nummer eins“ ihrer Mutter (Vertraue niemandem) berechtigt ist oder ob sie sich davon lösen sollte.
Spannung kommt vor allem auf durch die actionreichen Diebeszüge, bei denen viel riskiert wird. Selbst wenn eine teilnehmende Person im Rahmen des „Spiels“ tödlich verletzt werden sollte, wird das toleriert. Die aussichtslos erscheinenden Aufgaben sorgen für Nervenkitzel und bringen die Teilnehmenden immer wieder dazu, über sich hinauszuwachsen.
Die Handlung weist gewisse Parallelen zu „Die Tribute von Panem“ auf.
Dabei ist Ross als Protagonistin anders als bei ähnlichen Geschichten nicht gerade ein Underdog, sondern Favoritin, vor allem durch ihre familiäre Herkunft.
Ein weiteres Spannungs-Highlight ist der Hintergrund der Organisation: Wer steckt dahinter? Was wollen die? Wer schaut eigentlich alles zu, ist Ross in einer Art Reality-TV gelandet?
Nicht alles wird am Ende aufgeklärt. Möglicherweise finden sich in der Fortsetzung „Royal Gambit“ weitere Hinweise.
Vereinzelte Widersprüche treten auf, tun dem Erlebnis insgesamt jedoch keinen Abbruch. So wird beiläufig erwähnt, dass Ross‘ Mutter sie ins Skilager und auch nochmal ins Sommercamp geschickt hat, obwohl ihr der Kontakt zu anderen sonst streng verboten ist und sie nicht mal den Nachbarn Hallo sagen darf.
Überraschend ist, dass zwei der anderen Teilnehmenden sehr wohlwollend auf Ross zugehen und das mit einer gewissen Hartnäckigkeit. Dabei ist sie stets bestenfalls reserviert, eher kühl und distanziert. Auch hier durchläuft sie aber eine gewisse Entwicklung.
Das Ende fand ich wirklich sehr schade, gerade weil es ihre persönliche Entwicklung völlig zunichtemacht. Ich hätte Ross etwas anderes gewünscht. Aber vielleicht entwickelt sie sich im zweiten Band noch in eine starke Richtung.
Der Eindruck eines temporeichen Diebesthrillers mit jugendlichem Tiefgang bleibt.
Erschienen bei dtv
Autorin / Autor: Claudia B. - Stand: 17. August 2026