Sprachzauber - Warum unser Blabla mehr als Hokuspokus ist

Autor: Nikolaus Nützel

Sprache ist eigentlich ein Wunder – und hat definitiv etwas Magisches, auch jenseits von Zaubersprüchen und esoterischem Hokuspokus. Allein schon die Wirkung, die ein nettes Wort haben kann, oder der Noceboeffekt einer unbedachten Negativäußerung ... für diese Alltagsphänomene öffnet der Autor jungen Lesern tatsächlich ganz neu den Blick und macht prompt neugierig auf die folgende Reise durch die Welt der Sprache: Da geht es um Geheimsprachen und Verschlüsselung, um Slang und Soziolekte, um ungewollte und gewollte Missverständnisse oder darum, wie Sprache unseren Blick auf die Welt verändert oder gar unsere Wirklichkeit formt. All das ist hochspannend – oder könnte es sein, wenn es denn mit ein wenig mehr Gespür für ein junges Publikum geschrieben wäre. Einzig im letzten Kapitel, das Sprache als Spielzeug thematisiert, blitzt ansatzweise eine Lockerheit und Unverkrampftheit auf – bis das Kapitel nach drei Seiten auch schon wieder vorbei ist.

Leider kommt also dieser Zauber, der kleine wie große Sprachfans und alle, die es werden wollen, nach dem Buch greifen lässt, zwischen all den oft trockenen, manchmal gar ein wenig monoton und leierartigen, mitunter zu wissenschaftlichen, manchmal auch schlicht träge und schleppend in die Länge gezogenen Zeilen nicht wirklich beim Rezipienten an, und gerade jüngeren Lesern, die selbst noch nicht von der Magie infiziert sind, sondern sie mithilfe des Buchs zu entdecken hoffen, könnte eine schwere und nachhaltige Enttäuschung blühen. Auch im Vergleich zu sämtlichen anderen Büchern des Autors, die stets von einer ganz anderen, einnehmenden, mitreißenden Atmosphäre getränkt waren, ernüchtert dieser Band somit bedauerlicherweise sehr. Die wenig ansprechende, zu gedrängte und auch farblich bemerkenswert gedeckt und nüchtern wirkende optische Aufmachung unterstreicht diesen Effekt zusätzlich. Sehr, sehr schade!

Erschienen bei arsedition

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Autorin / Autor: Fabienne - Stand: 2. November 2020