Spiel des Lügners
Autorin: Jessica S. Olson
Übersetzt von: Anja Hansen-Schmidt
Eine einzige Nacht hat Lolas ganzes Leben zerstört. "Der Dieb" alias Enzo hat sie mitten aus einer Entführung gerettet, dafür muss sie fortan ihr Herz mit ihm teilen - wortwörtlich. Für den verfluchten Dieb gibt es nur eine Chance auf ein eigenes Herz und damit auf ein normales Leben: die Mondscherbe. Und Lola soll im Casino des Lügners herausfinden, wo sie sich befindet. Dabei muss sie sich nicht nur der Herausforderung des gefährlichen Turniers stellen, sondern auch dem Lügner persönlich, der kein anderer ist als Enzos verfeindeter Bruder.
Ein imposantes Casino voller Illusionen - das ist der Schauplatz dieses Dilogie-Auftakts, der sich durchaus sehen lassen kann. Doch leider bekommen wir nicht viel mehr als das. Wie die Welt drumherum aussieht, bekommen wir nur sehr ungenau in Nebensätzen mit, was ich sehr schade finde. Es ist als ob die Autorin ihre Welt einfach als bekannt voraussetzt - oder aber sie für nicht ausreichend wichtig hält, um ihr mehr Tiefe zu geben. Ebenso das Magiekonzept wurde für mich immer wirrer. Hier kann ich jedoch nicht weiter ausholen, ohne zu spoilern.
Der Klappentext suggeriert hier ein Love Triangle, was glücklicherweise ausbleibt. Schon die ersten Kapitel machen deutlich, dass Lola und Enzo eine tiefe Freundschaft verbindet. Ihr Verhältnis wirkt zunächst fast brüderlich. Anders sieht Lolas Verhältnis zu dem Lügner alias Nic aus. Aus ihrer Abneigung ihm gegenüber wird schnell Neugier und Anziehung. Dennoch bleibt die Liebesgeschichte eher Slow Burn mit starker Tension und einer ordentlichen Portion Miscommunication.
Lola ist ein nahbarer Charakter mit Ecken und Kanten. Ihre Sehschwäche und dazu ihr schielendes Auge machen sie zu einer erfrischend unperfekten Protagonistin. Und auch Nic hat interessante Seiten, die uns allerdings nur sehr langsam in wenigen Kapiteln aus seiner Sicht nähergebracht werden. Obwohl wir somit einige Seiten aus seiner Perspektive lesen, blieb er für mich dennoch auf Distanz. Eine emotionale Verbindung konnte ich leider nicht zu ihm aufbauen. Das erschwerte es mir, Lolas aufkeimende Gefühle nachzuvollziehen.
Dafür können wir bei Lola eine tolle Charakterentwicklung miterleben, die sich nach und nach von ihrer Rolle im Gefüge der Welt freimacht, innere Stärke und ihren Selbstwert findet.
Das Buch hat ein sehr gutes Erzähltempo. Die Geschichte kam tatsächlich zu keinem Zeitpunkt ins Stocken und blieb interessant. Zum Ende hin spitzt sich die Spannung dabei vorbildlich zu, um uns neugierig auf den Folgeband zu machen.
Fazit: "Spiel des Lügners" ist ein spannender Pageturner ohne Leerlauf, dafür mit ein paar kleinen Schwächen. Der Hauptschauplatz des Casinos ist zwar imposant, dafür bleibt die Welt außerhalb dünn und undurchsichtig. Und auch das Magiesystem hat nach meinem Geschmack seine Schwächen. Die Magie ist hier nicht nur dezent, sondern heftig und mächtig, jedoch ohne nachvollziehen zu können, wieso und woher sie kommt. Dennoch habe ich das Buch nicht zuletzt wegen seines Spannungsaufbaus gerne gelesen und werde sicherlich auch zur Fortsetzung greifen.
Erschienen bei Fischer Sauerländer
Autorin / Autor: Julia G. - Stand: 15. April 2026