Space Opera - Der metagalaktische Grand Prix

Autorin: Catherynne M. Valente
Übersetzt von: Kirsten Borchardt

Lila-schwarzer Hintergrund. Eine Ü-Ei-große Disco-Kugel mit zwei an Saturnringe erinnernden Neonstreifen in knallpink dominiert die Bildmitte des Covers. Den Rest des Formats nehmen die übergroßen, in neonblauer Randschrift gedruckten Lettern ein: Space Opera.
Wer sich jetzt denkt „Bei Merlins Unterhose …?“ – ja, das habe ich mir auch gedacht. Space und Opera? Was soll das denn? Gesangstalente im Space? The Next Cantina Band? Ein Blick auf den Klappentext zeigt: so verkehrt es auch klingen mag – es geht tatsächlich irgendwie in diese Richtung.

Die Galaxis ist in einem bereits sehr lange andauerndem Krieg entzweit, und die Galaxis besteht aus ungemein vielen und vor allem bewohnten Planeten. Klar, da kommt schon mal Streit auf, wenn die einen die anderen essen wollen oder deren Status als eigene Spezies nicht anerkennen. Um diesem ewigen Gestreite und Bekriege nun entgegenzuwirken: Der Metagalaktische Grand Prix, eine Art Musikwettstreit ähnlich dem Eurovision Song Contest, der leider nur diesen winzigen Haken hat. Denn: wer auch immer verliert, dessen Planet und Spezies werden ausgerottet.

In einer Mischung aus trockenem, stellenweise sarkastischem Humor, einer guten Prise zynischer Kritik und einer wildgewucherten Sprachgewandtheit umreißt C.M. Valente nicht nur die Macht der Musik, unterschiedlichste Persönlichkeiten vereinen zu können, sondern skizziert auch eine Galaxis, die gleichermaßen absurd fremd und unheimlich vertraut wirkt. Immer wieder finden erzählerische Umbrüche statt, um mal auf der Erde aus Sicht des längst abgewrackten Musikers Decibel Jones, der den Aliens zufolge im Metagalaktischen Grand Prix für die Erde antreten soll, aus der Sicht des Universums oder anderer Individuen des Space zu berichten.

Hier wirkt auch eine scharfe Kritik an der realen Welt und deren sinnlosen Kriegen und Erdausbeutung mit.
Einerseits hat mich dieses Buch einfach in seiner ganzen Konzeption unglaublich fasziniert. Es ist, aus meiner Sicht, eine leichte und doch nachdenklich stimmende Lektüre, die mit unglaublich schönen Sätzen und zielgruppentreffender Sprache überzeugt. Andererseits geht meine Gesamtwertung nicht über 3/5 Sternen hinaus: Das Buch braucht sehr lange, um seinen Grundaufbau, die Weltsicht in der es spielt, zu erklären (man fühlt sich an die ewiglangen Vorspanntexte der Star Wars Filme erinnert…). Hinzu kommt, dass über die Vielfalt der agierenden Persönlichkeiten kein Charakter ausreichend lebendig gezeichnet wird, um dem Leser Identifikationsmöglichkeiten oder auch nur irgendwelche emotionalen Brücken zu eröffnen. Oft hat mir leider auch der rote Faden in der Geschichte gefehlt. Es wirkt, als hätten sich manche Passagen in ihren schönen Mammutsätzen verloren.
Dennoch empfehle ich „Space Opera“ guten Gewissens weiter denn rein sprachlich ist es ein Meisterwerk! Und: Die Idee ist einfach zu genial, um ihr nicht zumindest eine Chance zu geben!
 
Erschienen bei Tor

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 25. Juni 2019