Das Smartphone als Waffe?

ARAG-Studie: Cybermobbing ist die Zeitbombe im Internet

An der "ARAG Digital Risks Survey" beteiligte Wissenschaftler_innen schlagen einen verpflichtenden SOS-Button für Social Media Seiten vor

Cybermobbing ist eines der größten Probleme der digitalen Welt. Die Opfer werden immer jünger, die Arbeitswelt ist massiv betroffen, Schulen stehen unter Druck - und dabei wird dieser dramatischen Entwicklung international viel zu wenig Beachtung geschenkt. Das sind grob zusammengefasst die Ergebnisse des von dem international tätigen Versicherungskonzern ARAG SE finanzierten "ARAG Digital Risks Survey", der am 31. Mai in Berlin vorgestellt wurde.
Im Rahmen dieser länderübergreifenden Trendstudie wurden Wissenschaftler aus Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Spanien und den USA zu ihrer Einschätzung des Phänomens Cybermobbing und seiner zukünftigen Entwicklungen befragt.

„Das Ergebnis ist erschreckend und muss uns alle aufrütteln“, so Dr. Catarina Katzer, Leiterin des Institutes für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln und Autorin der Studie. „Cybermobbing droht zur Zeitbombe des Internets zu werden“, meint die Expertin, „weil nicht nur Kinder und Jugendliche diesem Phänomen hilflos ausgesetzt sind, sondern zunehmend auch immer mehr Erwachsene Opfer von Cybermobbing werden.“

Die Autor_innen der Studie sehen in Cybermobbing und Cybergewalt ein Phänomen, das nicht mehr länger nur ein Phänomen der Jugendkultur sei, sondern ein gesellschaftliches Problem aller Altersgruppen. Dabei werde auf eine systematische Verletzung von Persönlichkeitsrechten abgezielt. Dabei befürchtet der Großteil der befragten Wissenschaftler_innen, dass Handlungsmuster des Mobbings virtuell eingeübt würden mit einer großen Tendenz, diese später dann auch „offline“ im realen Leben einzusetzen.

Cybermobbing wird mobil
Weil Smartphones in allen im Rahmen der Studie befragten Ländern das am meisten genutzte Cybermobbing-Tool sind, führen sie zu einem deutlichen Anstieg von Cybermobbing-Attacken. Schließlich ist das Smartphone ständig verfügbar, Cybermobbing wird damit immer "mobiler", wie 93 % der befragten Wissenschaftler bestätigen. Die ständige Verfügbarkeit senke die Eintrittsschwelle erheblich, Fotos und heruntergeladene Videos erhöhen die Schadenswirkung und den psychischen Druck. Die Forscher_innen sprechen deshalb von Smartphones auch als „Smart Weapons“.

Kinder und Jugendliche am stärksten betroffen/Cybermobbing-Opfer werden immer jünger
Vor allem bei jüngeren Kindern wirkt Cybermobbing besonders aggressiv, glauben die befragten Expert_innen: Große Öffentlichkeit und fehlende Rückzugsmöglichkeiten führten zu erheblichen Verletzungen. Dies sei eine virtuelle Zeitbombe mit unkalkulierbaren Auswirkungen. Jeder vierte Schüler in Deutschland soll bereits mindestens einmal Opfer von Cybermobbing geworden sein.

Zu wenig Prävention in Schulen
Kritisiert wird von den Forscher_innen die unzureichende Aufklärungsarbeit in Schulen. Viel zu selten kommt das Thema ausführlich zur Sprache, institutionelle Maßnahmen zur Aufklärung und Prävention von Cybermobbing sowie Hilfssysteme fehlten flächendeckend an deutschen Schulen. Haupt- und Gesamtschulen zeigen die geringste Präventionsaktivität, obwohl diese gerade hier besonders nötig wäre.
In allen untersuchten Ländern werde an Schulen zu wenig Prävention betrieben. Lediglich in Großbritannien gibt es flächendeckend Aktionspläne an Schulen gegen Cybermobbing. Norwegen hat bereits vor 10 Jahren eine Verpflichtung für Schulen zur Präventionsarbeit eingeführt, die Niederlande folgen diesem Weg seit einem Jahr.

Business-Cybermobbing mit erschreckendem Zuwachs
Während einerseits die Cybermobbing-Opfer immer jünger werden, breitet sich auf der anderen Seite das Cybermobbing unter Erwachsenen immer weiter aus. Weil Mobbing-Opfer mehr Fehltage haben oder aus Angst der Arbeit fern bleiben, entstehen hierdurch auch große wirtschaftliche Schäden, sind sich die Exptert_innen sicher.

Dagegen helfen soll nun ein 10-Punkte-Programm, das unter anderem die Verpflichtung zur Prävention, ein neues Schulfach "Cyberpsychologie/Medienerziehung", ein Cybermobbing-Gesetz sowie einen SOS-Button auf Betreiberseiten vorsieht, der Opfern direkte Hilfe bei Cybermobbingattacken bietet.

Ob diese Forderungen auch irgendwann mal umgesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt. Bis dahin könnt ihr euer Smartphone ebenfalls als Waffe einsetzen: gegen Cybermobbing, indem ihr die Opfer unterstützt und Mobbern die rote Karte zeigt.

Quelle:

Mehr zum Thema auf LizzyNet

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 2. Juni 2016