Schattenlicht
Autorin: Yasmin Shakarami
Lilly (the Billie) lernt auf einem Weihnachtsmarkt in München ihren absoluten Traumprinzen kennen: Gutaussehend, charmant, reich. Jamie kommt aus Kanada und es ist Liebe auf den ersten Blick. Klar, dass die beiden darum jeden Tag chatten und in Windeseile ihre Zukunft planen: Billie möchte ihr letztes Schuljahr bei Jamie in einer Kleinstadt in Kanada verbringen - zufälliger- oder schicksalshafterweise hat sie genau in diesem Kaff auch eine Tante, die dort mit ihrer Partnerin ein großes Haus hat. Nich zuletzt darum erlaubt die eher mittellose Mutter die kurzfristig anberaumte Weltreise.
In Maple Ridge angekommen, wird Billie in die Clique von Jamie eingeführt. Erst läuft es ganz gut, aber hier und da zeigt sich, dass die reiche Clique gar nicht so nett und Sportskanone Jamie vielleicht doch nicht so ein Traum-Boy ist. Und dann ist da noch Tristan, der verschrobene Nachbarsjunge ihrer Tante, den Jamie und seine Kumpels mobben und sogar verdächtigen, schuld am Verschwinden eines Mädchens zu sein.
Ein bisschen klingt es auf dem Klappentext nach Thriller und Mystery: Ein Mädchen ist auf mysteriöse Weise verschwunden, ein Junge hat einen Schicksalschlag erlitten, die Fassade bröckelt. Insofern gibt es stellenweise durchaus kriminalistische Spannung und eine leicht düstere Atmosphäre. Allerdings würde ich sagen: Wer einen Krimi sucht, ist hier nur halb richtig. Wenn auch hinter all dem einiges sehr Mieses steckt, ist dieses Buch trotzdem ein absolutes Wohlfühlbuch, in dem die Falschen bekommen, was sie verdienen und die Richtigen auch. In dem süße Lämmer und eine niedliche Cockerspaniel-Dame der besten Detektor für den Charakter eines Menschen sind. Wo die Guten sich zusammentun und alles am Ende am rechten Platz ist. In dem Reiche oft moralisch verwahrlost sind, während die weniger Vermögenden das Herz am richtigen Fleck haben. In dem Rassismus und Arroganz nicht unbestraft bleiben. Und die wahre Liebe auch versehrten Menschen zuteil wird. Ach, wie schön könnte diese Welt sein.
Dabei ist der ganze Roman - selbst die dezent gruseligen Szenen - aus der Ich-Perspektive von Billie so lustig, locker und herzlich geschrieben, dass das Lesen einfach großen Spaß macht. Das macht auch den besonderen Zauber aus, diese offene Art, dieser echt klingende Ton, diese herzerwärmende Romantik, die keinen Pathos und keinen Spice braucht, um überzeugend zu sein. Man liest es einfach am Stück weg, weil man Teil davon sein möchte.
Ein bezaubernder Roman, der zwar weder besonders tiefschürfend, noch besonders realistisch ist, aber dafür bestens geeignet für eine süße Flucht aus dem Alltag.
Erschienen bei cbj
Autorin / Autor: luthien - Stand: 16. Märze 2026