Schattengrund

Autorin: Elisabeth Herrmann

Buchcover Schattengrund

7.11. missmarie

Nico ist beerbt worden. Voller Vorfreude fährt sie mit ihren Eltern zum Notar. Doch dort erbt sie drei merkwürdige Gegenstände – einen alten Besen, einen Stein und eine halbe Postkarte. Sie muss das Rätsel um die drei Gegenstände lösen, dann soll Schattengrund, das Haus ihrer Tante, ihr gehören. Nicos Eltern sind strikt dagegen, dass sie das Erbe annimmt und so macht sich Nico in einer Nacht und Nebel Aktion alleine auf den Weg in den Harz, wo Schattengrund steht. Schon nach der ersten Nach ist das kleine Dorf Siebenlehen eingeschneit und Nico sitzt in Schattengrund fest. Auf ihrer ersten Tour durchs Dorf bemerkt sie gleich, dass irgendetwas nicht stimmt. Alle Dorfbewohner begegnen ihr distanziert, wenn nicht sogar feindselig. Zum Glück ist da Leon, der ebenfalls nur zu Besuch ist und ihr mit Rat und Tat zur Seite steht.
Nach und nach beginnt sich Nico an ihre Kindheit hier im Dorf zu erinnern. Und mit den Erinnerungen kommt auch ein grausames Verbrechen wieder hoch, für dass das Dorf Nico verantwortlich macht. Eine Hetzjagd gegen das Mädchen beginnt.

Elisabeth Hermann hat mit Schattengrund ihren zweiten Thriller für Jugendliche geschrieben. Was am Anfang noch sehr seicht beginnt, entwickelt sich im Laufe der Story zu einem wahren Pageturner. Ich konnte das Buch ab der Hälfte nicht mehr aus der Hand legen. Elisabeth Hermann schafft es, durch eindringliche Bilder eine spannende Atmosphäre entstehen zu lassen. Dabei liegen gleich mehrere Ebenen übereinander. Zunächst ist da die Vergangenheit, die Nico nicht kennt, ihr aber alle Bewohner des Dorfes vorhalten scheinen. Dann gibt es ein Märchenbuch auf dem Dachboden von Schattengrund. Darin hat Kiana, Nicos Tante, alle Märchen aufgeschrieben, die sie Nico früher erzählt hat. Diese Märchen tragen am Ende des Buches einen großen Teil zur Auflösung von Nicos Vergangenheitsrätsel bei. Und dann sind da noch die Bräuche in Siebenlehen, die auch einen wichtigen Teil beisteuern. Die Mischung ist sehr gelungen.

Obwohl Elisabeth Hermann einen eher klassischen Plot wählt (Abgeschiedenheit eines einsamen Dorfes, jeder kann der Täter sein), hat man nicht das Gefühl, die Geschichte schon mal gelesen zu haben. Das liegt vor allem an den tollen Ideen, die die Autorin hat. So verbindet sie die Geschichte mit Legenden und Traditionen des Harzes, die wiederum wichtig sind für die Lösung des Rätsels. Außerdem gibt es ein altes Verbrechen und ein geplantes neues Verbrechen, denn schon kurz nach Nicos Ankunft wird klar: Jemand hat es auf sie abgesehen. Das macht die Geschichte umso spannender.

Nicht zuletzt sei außerdem die liebenswürdige Heldin genannt. Nico macht sich ohne richtigen Plan auf den Weg nach Schattengrund. Wie man ein Haus winterfest macht oder auf einem Gasherd kochen kann, weiß sie natürlich nicht. Auch den Weg nach Siebenlehen kennt sie nicht mehr ganz genau. Auf die Idee, dass die Schneemassen eine Taxifahrt dorthin unmöglich machen, kommt sie erst, als der Busfahrer nicht weiter in das kleine Dorf fahren will. Dann muss es eben zu Fuß gehen, denkt sich die Hauptperson – und verläuft sich prompt im Schneegestöber. Wäre das nicht schlimm genug, findet ihr Retter sie in einer peinlichen Situation. Mit einem Reisigbesen über der Schulter und dem verschüttet Inhalt ihrer Reisetasche um sich (darunter blaue Bärenhausschuhe und ein Badeanzug) liest der sie vom Weg auf und fährt sie nach Schattengrund.
Nico ist sympathisch. Sie sagt auch mal gedankenlose Dinge und macht unabsichtlich zweideutige Bemerkungen – sie ist eben menschlich. Ein Hauptcharakter zum Gernhaben sozusagen. Und so entwickelt sich trotz des düsteren Ambientes auch eine kleine Liebesgeschichte zwischen den Seiten.

Fazit:
Ein Buch, das lange Winterabend schnell vergehen lässt. Siebenlehen und der Harz bringen Winterfeeling beim Lesen und die Geschichte lässt einem eiskalte Schauer über den Rücken jagen.

Erschienen bei cbt

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Autorin / Autor: missmarie - Stand: 30. November 2012