Ramona Blue

Autorin: Julie Murphy
Übersetzt von: Kattrin Stier

Ramona Leroux, wegen ihrer Liebe zum Wasser Ramona Blue genannt, weiß, wer sie ist. Sie ist überdurchschnittlich groß, lesbisch, hat knallblaue Haare und eine schwangere große Schwester, für die sie alles tun würde. Ramona hat sich mit einer Zukunft im Trailerpark der kleinen Küstenstadt Eulogy in Mississippi abgefunden. Statt dem College wartet auf sie die Verantwortung ein Baby miterziehen zu müssen.  Wir begleiten Ramona durch ihr letztes Jahr an der High-School, während dem sie so ziemlich alles, was sie über sich zu wissen glaubt, hinterfragen muss. Kann es sein, dass sie nicht nur Mädchen sondern auch Jungs attraktiv findet? Gibt es doch eine Zukunft für sie außerhalb von Eulogy?

Meine Meinung
Julie Murphys „Ramona Blue“ vereint viele Aspekte, die man aus romantischen Jugendromanen kennt und liebt und bleibt dabei erfrischend originell.

Wir lernen Ramona als verantwortungsbewusste junge Frau kennen, die sich ihrer Familie stark verpflichtet fühlt und den Mut finden muss, ihre eigenen Ziele zu verfolgen.
Die Beziehung zwischen Ramona und ihrem Kindheitsfreund Freddie, der erste Junge, zu dem sie sich hingezogen fühlt, entwickelt sich allmählich und auf sehr glaubhafte und natürliche Weise. Ehrlich und einfühlsam werden Ramonas Gedanken über ihre sexuelle Orientierung behandelt, sowie ihre Sorge um die ungewisse Zukunft. Viele werden sich mit ihrer Angst identifizieren können, sich aber vielleicht auch ermutigen lassen, für ihre Zukunft zu kämpfen, selbst wenn die Hindernisse überwältigend erscheinen.

„Ramona Blue“ bietet eine amüsante Liebesgeschichte, ohne die ernsten Themen zu verdrängen, die das Leben der Protagonist_innen bestimmen. Das Städtchen in Mississippi, das vom Hurrikan Katrina verwüstet wurde, ist nicht frei von Armut, Rassismus und Homophobie. Doch das Buch zeigt eine queere Protagonistin, die in ihrer Familie und ihrem Freundeskreis ohne Vorbehalte akzeptiert wird wie sie ist – und schenkt damit Jugendlichen Hoffnung, die sich selbst als queer identifizieren. Außerdem macht „Ramona Blue“ klar, dass es okay ist sich zu verändern. Ramona verliebt sich in Freddie, doch verliert dadurch nicht die Person, die sie früher gewesen ist. Sie lernt sich nur selbst besser kennen.

Julie Murphy vermittelt ein so lebhaftes Bild des Schauplatzes, dass ich beim Lesen förmlich den Sand an meinen Füßen spüren und die salzige Seeluft riechen konnte. Meine Neugier wurde geweckt, den Süden der USA selbst zu entdecken, die typischen Gerichte zu kosten und eine Mardi-Gras Parade in New Orleans mitzuerleben.
Womit Murphy aber wirklich glänzt ist die Figurenzeichnung. Die allermeisten Charaktere schließt man sehr schnell ins Herz, und auch die weniger sympathischen sind keine flachen Karikaturen, sondern Menschen mit realistischen Fehlern, mit denen man mitfühlen kann. Insbesondere Ramonas ebenfalls queeren Freunde Saul und Ruth haben mich beim Lesen mehrmals laut zum Lachen gebracht. Der unerschütterliche Zusammenhalt zwischen den Schwestern Ramona und Hattie ist das emotionale Herzstück der Geschichte, um das Murphy ihre Handlung webt.
Der einzige Mangel an dem Buch ist, dass das Ende ein wenig vorhersehbar ist und der Konflikt, der während des ganzen Buches über Ramonas Kopf hängt, am Ende doch sehr schnell und enttäuschend einfach aufgelöst wird.

Fazit:
Wer Lust hat, sich auf eine unterhaltsame aber unkonventionelle Liebesgeschichte einzulassen, wird das Buch zweifelsfrei mögen!



Erschienen bei FJB

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    Autorin / Autor: Isabella H - Stand: 3. Juni 2019